Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor gefährlichen, multiresistenten Keimen auf Geflügelfleisch / „Report Mainz“, heute, 20. September 2011, 21.45 Uhr im Ersten

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Nach Recherchen der Redaktion „Report Mainz“ ist
Geflügelfleisch massiv mit multiresistenten Keimen belastet. Das
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer bundesweiten
Untersuchung über 2500 Fleischproben aus dem Einzelhandel auf das
Vorkommen von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureaus – kurz
MRSA – untersucht.

42,2 Prozent der Putenfleischproben und 22,3 Prozent der
Hähnchenfleischproben waren mit MRSA belastet. Insgesamt war vor
allem Geflügelfleisch mit zahlreichen multiresistenten Keimen
kontaminiert. Dr. Bernd-Alois Tenhagen vom BfR dazu in „Report
Mainz“: „Das ist sicherlich ein gravierendes Problem für den
gesundheitlichen Verbraucherschutz, wenn diese Erreger resistent sind
gegen ein oder mehrere Antibiotika, dann schränkt das natürlich die
Möglichkeit der Ärzte, die Menschen, die infiziert sind, zu
behandeln, deutlich ein. Und das ist dann schon ein erhebliches
Problem.“

Es handelt sich dabei um einen MRSA-Stamm, der sich seit einigen
Jahren in Nutztierbeständen ausbreitet. Bereits im Frühjahr hatte
Prof. Wolfgang Witte den Keim in hoher Konzentration im Auftauwasser
von Tiefkühlhähnchen entdeckt. 30 Prozent der untersuchten Proben
waren MRSA-positiv. Für Prof. Wolfgang Witte ergibt sich dadurch eine
konkrete Ansteckungsgefahr für die Verbraucher: „Wenn ich jetzt das
Auftauwasser an meine Finger bekomme und habe dort kleine
Schnittwunden, dann kann der MRSA dort eindringen und kann eine
Hautweichgewebeinfektion verursachen. Im ungünstigen Falle kann davon
eine Blutvergiftung, eine Sepsis, ausgehen und im ganz ungünstigen
Falle – ist selten, aber durchaus beschrieben – der Tod.“

Multiresistente Keime breiten sich durch den hohen Einsatz von
Antibiotika in der konventionellen Mast aus. Bislang gibt es keine
aktuellen Zahlen über die Menge an Antibiotika, die in der Mast
eingesetzt werden. Deshalb hat die Bundesregierung das Bundesinstitut
für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) per Verordnung
beauftragt, die Abgabemengen für Tier-Antibiotika und den Lieferort
zu erfassen.

Eine Ausnahmeregelung gibt es jedoch für „Arzneimittel, die
ausschließlich für Geflügel zugelassen sind“. Für diese wird der
Lieferort nicht erfasst. Begründet wird dies mit dem Datenschutz.
Fachtierärzte für Geflügel könnten durch den Lieferort identifiziert
werden. Diese Regelung wird vom Präsidenten der Bundestierärztekammer
jedoch scharf kritisiert. In „Report Mainz“ erklärt er: „Die
Tierärzte, die korrekt arbeiten, die haben nichts zu verbergen, und
deshalb sehen wir überhaupt keinen Grund, warum man beim Geflügel
anders verfahren sollte als bei den anderen Tierspezies. Wir sollten
unmittelbaren Zugriff haben auf die Menge der eingesetzten
Medikamente, speziell natürlich der Antibiotika im jeweiligen
Betrieb.“ Eine Verschärfung der Bundesverordnung sowie mehr
Transparenz fordern außerdem die Bundestagsfraktion von Bündnis 90 /
Die Grünen und der Landwirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen,
Johannes Remmel.

Zitate gegen Quellenangabe frei. Bei Fragen wenden Sie sich bitte
an „Report Mainz“, Tel.: 06131/929-3351.

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