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Erschreckende

Tendenz

Raimund Neuß zur Entwicklung der Pandemie

Nein, diese Zahl lässt sich nicht wegdiskutieren. Von gut 1000 täglichen Corona-Neuinfektionen in Deutschland Mitte August ist die Zahl auf 4000 an einem Tag gestiegen. Und nein, das liegt nicht an der Zahl der Tests. Seit Mitte August werden wöchentlich gut eine Million Corona-Tests pro Woche gemacht, aber der Anteil der positiven Ergebnisse steigt.

Und nein, das ist nicht harmlos. Mitte August hatten wir fünf bis sechs Corona-Tote pro Tag, heute sind es zwölf. In absoluten Zahlen mutet das im Vergleich mit den dreistelligen Werten vom April wenig an – und auch im Vergleich mit den gut 50 Menschen, die letztes Jahr täglich an einer “normalen” Lungenentzündung starben. Nicht die absoluten Zahlen sind das Erschreckende, sondern die Richtung, in der sie sich bewegen.

Der Staat muss eingreifen. Hätte er es im Frühjahr nicht getan, dann würden wir heute vielleicht nicht über 9600, sondern über mehr als 32 000 Corona-Tote sprechen wie in Frankreich. Und jetzt? Sperrstunden und Geisterspiele mögen noch verträgliche Maßnahmen sein. Einfach die Bürger ganzer Städte – gestern Berlin, heute Wuppertal, morgen vielleicht Köln – wie Aussätzige zu behandeln, ist schon eine andere Geschichte.

Kurzfristig geht es wohl nicht anders. Umso mehr drängt die Frage nach einer auf lange Sicht tragbaren und unter dem Aspekt der Bürgerrechte vertretbaren Strategie. Reden wir nicht über Impfstoffe. Sie können das Virus vielleicht nie aus der Welt schaffen. Es gibt große Zweifel an einer länger anhaltenden Immunität gegen Sars-CoV-2. Wie wollen wir also mit dem Virus leben?

Corona-Infizierte bekommen oft die Schuld an ihrem Zustand zugeschoben. Ja, es gibt Partytouristen, aber es gibt auch die große Mehrheit braver Bürger, die selbst am menschenleeren Bahnsteig Maske tragen. Und: Es gibt ein großes, für die Gesundheitsämter nicht fassbares Viren-Reservoir. Bis heute rät das Robert Koch-Institut davon ab, symptomfreie Kontaktpersonen von Infizierten zu testen. Die können aber durchaus infiziert sein und den Erreger bereits weitergegeben haben. Das geht seit Monaten und hat mit persönlicher Unvernunft nichts zu tun.

Schlüssige Testkriterien, auch Schnelltests zum Schutz von Risikopatienten – und ein differenziertes Risiko-Messsystem im Stile einer Corona-Ampel, die auch andere Kriterien einbezieht als das mechanische Zählen lokaler Neuinfektionen: Das wären Bausteine einer langfristigen Strategie, die uns so sehr fehlt.

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