„Corona-Sheriff“ in heikler Lage / Von Christine Schröpf

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Deutschland steht kurz vor der Verlängerung des Lockdown „light“. Bayerns Regierungschef Markus Söder hat in den vergangenen Tagen auf allen Kanälen darauf eingestimmt und seinen Ruf als „Corona-Sheriff“ verfestigt. Er agiert dabei auf Linie der Kanzlerin. Auch bei allen anderen Ministerpräsidenten herrscht Gewissheit, dass Tatenlosigkeit keine Option ist. Der harte Corona-Kurs ist aber am stärksten mit seinem Namen verknüpft. Eine heikle Sache. Zwar ist die Zustimmung zu Söder in Umfragen weiter hoch. Fiese Attacken in sozialen Netzwerken dürfen nicht überbewertet werden, die Verfasser diskreditieren sich mit ihrer Unverschämtheit selbst. Doch Unbehagen und Zweifel wachsen inzwischen in breiten Bevölkerungsschichten – parallel mit der Zahl der Corona-Verlierer, deren wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel steht. Die Erfahrung lehrt: In der Not beginnt die Suche nach einem Sündenbock. Die Wahl vieler könnte auf Söder fallen. Er sticht durch seine Sonderrolle in der Pandemie heraus.Die größer werdende Skepsis hat viel mit überbordenden Emotionen zu tun. Corona zerrt an unser aller Nerven. Für den Moment verschafft es Erleichterung, die Wut über eine Pandemie, die so starke Grenzen setzt, bei einem vermeintlich „Schuldigen“ abzuladen. Hand aufs Herz: Vernünftig ist das nicht. Söder steht mit seinem Kurs ja nicht allein. Und vor allem: Die bitteren Anti-Corona-Rezepturen wirken.Die Infiziertenzahlen haben sich auf hohem Niveau stabilisiert und steigen nicht weiter ins Uferlose. Das ist ein zentraler, erster Erfolg. Ein Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz in den Nachbarländern bestätigt zudem, dass Deutschland einiges richtig gemacht hat. „Corona-Sheriff“ Söder hat seinen Anteil daran. Das ist weder in Bayern noch im Bund als Freibrief zu verstehen. Massiven Ärger verursacht zu Recht, dass die Auszahlung der Berliner November-Hilfen zu wünschen übrig lässt. Unverständnis verdienen auch kleinteilige Regelauslegungen. Lächerlich ist das Verbot, Fastfood im eigenen Auto auf Parkplätzen von Schnellrestaurants zu verspeisen, das in Bayern durchexerziert wird. Einzugreifen ist nur, wenn dort von Gästen wirklich Party gemacht wird. Es ist schwer, dieser Tage einen nüchternen Blick zu bewahren. Sicher ist leider: Wer der Pandemie freien Lauf lassen würde, hätte dieselben bitteren Folgen zu tragen. Das zeigt sich in Ländern, die es lockerer gehandhabt haben – par excellence die USA unter Trump. Die Wirtschaft dort floriert nicht. In Deutschland wären Hotels und Restaurants auch dann nicht voll, wenn sie unbeschränkt öffnen dürften. Das erlebt gerade der geöffnete Handel. Trotz der Aussicht auf einen womöglich sehr rasch zur Verfügung stehenden Impfstoff bleibt die Lage in den nächsten Monaten ernst. Wer will, dass Infiziertenzahlen auf heutigem Niveau stagnieren, muss wohl bis zum Frühjahr mit Varianten des Lockdown „light“ leben. Etwaiges Lockern in einem Bereich müsste im Gegenzug mit einem Herunterfahren in anderen Bereichen ausgeglichen werden. Wer die Corona-Zahlen deutlich nach unten drücken will, muss tiefere Einschnitte beschließen. Vor dieser Aufgabe stehen Kanzlerin und Ministerpräsidenten an diesem Mittwoch. „Corona-Sheriff“ Söder ist mittendrin. Wer möchte ernsthaft mit ihm und den anderen tauschen? In der Krise zeigt sich, wer Kanzler kann, hat Söder im Sommer gesagt. Stapeln wir ein wenig tiefer und messen daran die Qualität von Politikern. Zum Anforderungsprofil zählt, dass man bei guten Gründen auf Kurs bleibt, auch wenn der Beifall nachlässt. Söder qualifiziert sich gerade deutlich in dieser Disziplin. Wer fair bleibt, muss zugestehen: Er taugt nicht als Sündenbock.

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