Deutsche Rohstoffpolitik: Zugang zu Platinversorgung wichtiger als Menschenrechte? / Deutsche Rohstoffagentur lädt Bergbaukonzern ein, der mitverantwortlich für Massaker in Südafrika von 2012 ist

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Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) lädt morgen den
britisch-südafrikanischen Bergbaukonzern Lonmin Plc zu einem
hochrangigen Workshop über die Verfügbarkeit von
Platingruppenmetallen für den Industriestandort Deutschland ein.
Lonmin trägt maßgebliche Verantwortung für das Massaker von Marikana
im August 2012, bei dem 34 streikende Bergarbeiter in Südafrika
getötet wurden. Laut DERA-Programm soll die geladene Vertreterin von
Lonmin zu „nachhaltigem Platinabbau“ referieren. Die im Arbeitskreis
Rohstoffe zusammengeschlossenen deutschen
Nichtregierungsorganisationen zeigen sich irritiert von der Einladung
und erwarten, dass die staatliche DERA von Lonmin Plc Auskunft
darüber verlangt, welche Wiedergutmachung in Südafrika geleistet wird
und wie in Zukunft Menschenrechtsverletzungen verhindert werden.

„Die DERA wurde im Jahr 2010 gründet, um eine nachhaltige
Versorgung Deutschlands mit Rohstoffen zu gewährleisten. Vor dem
Hintergrund der Ereignisse im südafrikanischen Marikana wirft die
Einladung von Lonmin die Frage nach dem Nachhaltigkeitsverständnis
der DERA auf. Auf jeden Fall sollte die DERA von Lonmin Plc
nachdrücklich verlangen, aktiv zur Aufklärung der Konfliktursachen
beizutragen, Wiedergutmachung zu leisten und angemessene Vorsorge
dafür zu tragen, dass sich die Vorgänge in Marikana nie wiederholen“,
so Michael Reckordt vom AK Rohstoffe. Dies sei insbesondere deshalb
von großer Bedeutung, da Südafrika der wichtigste Lieferant für
Platin auf dem Weltmarkt sei und deutsche Industrieunternehmen auf
Lieferungen von dort angewiesen sind.

Am 16. August 2012 starben 34 streikende Bergarbeiter im
südafrikanischen Marikana, als die Polizei einen einwöchigen Streik
gewaltsam beendete. Während der Anhörungen der von Präsident Zuma
eingesetzten Untersuchungskommission, wurde vielfach auf die
Mitverantwortung des britisch-südafrikanischen Konzerns Lonmin am
Massaker verwiesen.

Dem Streik vorausgegangen war die verschleppte Umsetzung des
staatlich vorgeschriebenen „Sozial- und Arbeitsplans“ durch Lonmin.
So hatte der Konzern über ein Jahrzehnt lang den Bau von 5.500
Häusern für die Minenarbeiter versprochen – gebaut wurden drei. Die
Streikenden in Marikana forderten daher bessere Arbeits- und
Lebensbedingungen, Lohnerhöhungen und direkte Verhandlungen mit dem
Minenmanagement. Lonmin lehnte jegliche Kommunikation mit den
Arbeitern ab und unterstützte stattdessen Presseberichten zu Folge
aktiv den militarisierten Polizei-Einsatz, der zum Massaker führte.

Die DERA wurde im Oktober 2010 eingesetzt, um die deutsche
Industrie bei der Beschaffung von Rohstoffen zu beraten und zu
unterstützen. Ihre Gründung ist Teil der Umsetzung der deutschen
Rohstoffstrategie. Die deutsche Zivilgesellschaft, vertreten im
Arbeitskreis Rohstoffe, kritisiert diese Strategie als einseitig auf
die Interessen von Unternehmen und einen hohen Rohstoffverbrauch
ausgerichtet. Menschenrechte, Sozial- und Umweltstandards und die
Entwicklung einer Strategie für eine Kreislaufwirtschaft kommen dabei
stets zu kurz.

Pressekontakt:

AK Rohstoffe, Michael Reckordt, Telefon: 030 428 05 479 /
Email: michael.reckordt@power-shift.de

Christliche Initiative Romero, Johanna Fincke, Telefon: 0251-89503 /
Email: fincke@ci-romero.de

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