Heilbronner Stimme: Club-of-Rome-Präsident von Weizsäcker zum Weltklimabericht: Wir sind nicht ehrgeizig genug

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Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ko-Präsident des
Club of Rome, fordert mehr Anstrengungen für den Klimaschutz. Der
Wissenschaftler sagte der „Heilbronner Stimme“ (Dienstag) zum Bericht
des Weltklimarates IPCC: „Wir sind in praktisch allen Ländern nicht
ehrgeizig genug. Wenn man das 1,5-Grad-Ziel einhalten will – was für
die Hoffnung auf eine erträgliche Klimastabilisierung fast die
wichtigste Bedingung ist – muss man weltweit sehr viel ehrgeiziger
werden.“

Von Weizsäcker plädiert für die Umsetzung des „Budget-Ansatzes“
bei der Umweltverschmutzung. Gemeint ist ein Handel mit
Verschmutzungsrechten, der Staaten motivieren soll, in saubere
Energieformen zu investieren. Er sagte: „Die mit Abstand größte
Dynamik der weiteren CO2-Zunahme findet natürlich in den
Entwicklungsländern statt. 90 von 100 im Bau oder in Planung
befindlichen Kohlekraftwerke sind in Entwicklungsländern
einschließlich China. Da hat es dann beinahe nur noch symbolische
Bedeutung, ob Deutschland das 40 Prozent Minderungsziel einhält.“ Er
fügte hinzu: „Aber es gibt meines Erachtens genau eine Strategie, um
die Entwicklungsländer ins Boot zu holen. Das ist der sogenannte
Budget-Ansatz: Jedes Land der Erde hat ein pro Kopf gleich großes
Budget der Atmosphärenverschmutzung.“

Nur hätten die alten Industrieländer dieses Budget schon fast
verbraucht, so von Weizsäcker. „Ab 2024 hätten wir keine Erlaubnisse
mehr. Dann müssten wir shoppen gehen in die Entwicklungsländer, die
noch reichlich Budget haben. Die würden uns mit Kusshand aber zu
stolzen Preisen Lizenzen verkaufen. Und das hätte die sensationelle
Folge, dass es über Nacht in den Entwicklungsländern profitabel
würde, geplante Kohlekraftwerke nicht zu bauen und stattdessen den
Übergang zu Effizienz und erneuerbaren Energien zu beschleunigen und
die freiwerdenden Lizenzen an uns und andere alte Industrieländer zu
verkaufen.“

Der Vorschlag sei bereits 2008 vom Wissenschaftlichen Beirat
Globale Umweltveränderungen (WBGU) vorgebracht worden, doch 2009 bei
der Klimakonferenz in Kopenhagen hätten Amerikaner, Russen und die
Saudis erfolgreich „gemauert“.

Die Forderung des Club-of-Rome-Chefs: „Wir sollten den Vorschlag
schleunigst wieder aufgreifen, auch ohne Amerikaner, Russen und
Saudis. Wir wären dann ökonomisch gezwungen, die heimischen
Hausaufgaben zu machen und die Transformation zur Klimaneutralen
Wirtschaft zu beschleunigen. Dies wäre ein Rezept, den Amerikanern
mal wieder technologisch davonzulaufen. Und vor allem würden wir die
sehr ärgerliche Situation los, dass egal was wir machen, die globale
Erwärmung fast ungebremst weiter geht, weil die Entwicklungsländer
sich praktisch nicht ändern.“

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