Kommentar zum Konflikt Iran-USA “Trügerische Freude”

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Die sterblichen Überreste des getöteten Generals Qassem Soleimani
werden einmal quer durch Iran getragen. Von der Pilgerstätte Maschhad geht es
über die Hauptstadt in seinen Geburtstort Kerman. Das staatliche Fernsehen
schlachtet das Ereignis aus und stimmt die Bevölkerung auf Krieg ein, indem es
am laufenden Band Zehntausende schwarz gekleidete Trauernde zeigt, die
racheschwörend “ihrem Kriegshelden” den letzten Respekt zollen. Anderorts, wie
in der syrischen Rebellenhochburg Idlib, wird der Tod des Anführers der
berüchtigten Quds-Brigaden regelrecht zelebriert.

Diese unterschiedlichsten Reaktionen zeigen die Zerrissenheit der islamisch
geprägten Welt. Soleimani war zweifellos ein Kriegstreiber und ein Fiesling
sondergleichen. Doch sein Ableben könnte einen Krieg ungeahnten Ausmaßes
auslösen, von dem jetzt schon sicher ist, dass es am Ende nur Verlierer geben
kann. Auch die Vorstellung, man könne durch das gezielte Auslöschen einzelner
Protagonisten etwas Gutes tun, ist illusorisch. Denn Soleimanis Werk, die
Erschaffung eines extrem handlungsfähigen Milizennetzwerks im Nahen Osten durch
geschickte Ausnutzung der geopolitischen Umstände, bleibt weiterhin bestehen.
Auch ein Nachfolger an der Spitze der Quds-Brigaden war bereits am selben Tag
auserkoren. In dieser Situation ist daher jede Emotion, die nicht auf eine
Deeskalation ausgerichtet ist, vollkommen unangebracht.

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