Krieg, Corona und ausbleibende Hilfsgelder: Medizinische Grundversorgung für Kinder im Jemen stoppt fast vollständig

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Der anhaltende Krieg, fehlende Hilfsgelder und die Corona-Pandemie haben die medizinische Grundversorgung für Kinder im Jemen beinahe vollständig zum Erliegen gebracht, warnt Save the Children. Zwischen Januar und April ging die Zahl der Besuche bei Gesundheitsdiensten für Kinder um 81 Prozent zurück. Von den 627 Millionen Dollar, die im Jahr 2020 für Hilfseinsätze im Jemen benötigt werden, ist gleichzeitig bisher weniger als die Hälfte eingegangen.

„In dieser tödlichen Kombination aus Gewalt, Krankheiten und Hunger sind die Menschen im Jemen mehr denn je auf Unterstützung angewiesen“, sagt Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children. „Die gesamte jemenitische Bevölkerung leidet unter der fehlenden Gesundheitsversorgung, aber die Kinder, die seit fünf Jahren ums tägliche Überleben kämpfen, trifft es am härtesten. Tausende Mädchen und Jungen brauchen jeden Tag Hilfe. Die Welt schaut zu und reduziert sogar die Hilfsgelder, während Kinder sterben.“

Xavier Joubert, Landesdirektor von Save the Children im Jemen, ergänzt: „Einige Kliniken, die wir unterstützen, mussten ihre Kapazitäten herunterfahren, auch im Bereich Ernährung. Das hat Folgen: In Lahj und Hajjah ist die Rate der mangelernährten Kinder um 11 % gestiegen. Wir müssen der Realität ins Gesicht blicken, dass tausende Kinder in den kommenden Monaten sterben könnten, wenn die Unterstützung so gering bleibt.“

Bereits vor der Pandemie war nur noch die Hälfte der jemenitischen Gesundheitseinrichtungen funktionsfähig. In den verbliebenen Kliniken konzentrieren sich die Maßnahmen jetzt auf den Kampf gegen COVID-19. Zudem fehlt es an Personal und Schutzausrüstung. Kliniken wurden in COVID-19-Behandlungszentren umgewandelt, die Behandlung von Kindern wird häufig zweitrangig behandelt.

Viele Familien können sich den Weg zu einer Krankenstation außerdem nicht leisten oder haben wegen der Ansteckungsgefahr Angst, inmitten der Pandemie eine Klinik aufzusuchen.

Der 45-jährige Salem* aus Sada, Vater von sechs Kindern, berichtet: „Wir haben wegen des tödlichen Virus Angst ins Krankenhaus zu gehen, aber wenn wir die Todesangst in den Augen unseres kranken Kindes sehen, haben wir keine andere Wahl, als uns Geld für ein Taxi zu leihen und das Risiko einzugehen. Viele Familien isolieren sich wegen des Coronavirus zu Hause, aber was bringt das, wenn das Kind dort durch einen Luftangriff stirbt oder weil es nicht ins Krankenhaus gebracht werden kann?“

Seit Januar beobachtet Save the Children auch in den eigenen Gesundheitseinrichtungen für Kinder einen schrittweisen Rückgang an Patienten, der sich ab Mai deutlich verstärkte. Im Schnitt konnten pro Klinik 450 Patienten im Monat nicht behandelt werden, darunter rund 200 Kinder, die unter vermeidbaren – bei fehlender Behandlung jedoch tödlichen – Krankheiten wie Denguefieber und Cholera litten. Schätzungen zufolge könnte die Zahl der mangelernährten Kinder unter fünf Jahren im Jemen bis zum Jahresende auf 2,4 Millionen ansteigen. Auch die Versorgung mit Wasser- und Sanitäreinrichtungen ist unterfinanziert.

„Anstatt zu kämpfen, sollten alle Konfliktparteien sich dem internationalen Aufruf zur Waffenruhe anschließen, um sich auf die Eindämmung von COVID-19 und von dessen Auswirkungen für die Kinder zu konzentrieren“, sagt Susanna Krüger. „Ich hoffe, dieser Weckruf kommt nicht zu spät und die Geber machen weitere Zusagen, damit die Kinder im Jemen die Hilfe bekommen, die sie verdienen.“

*Name zum Schutz der Identität geändert

Schnittbilder aus einem von Save the Children unterstützten Krankenhaus in Lahj, darunter ein Interview mit einem Arzt, finden Sie hier:

https://www.contenthubsavethechildren.org/Package/2O4C2SF77002 (https://eur03.sa felinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.contenthubsavethechildren. org%2FPackage%2F2O4C2SF77002&data=01%7C01%7CSusanne.Sawadogo%40savethechildren.d e%7C71584687f9b34be672e508d81f2eea83%7C7e675e17e6ed49b38fb77005366df847%7C0&sdat a=TGjnN9qoe3DAbUwjfJrhRDUyvlHCJO%2FFJUCVJ2jXq6Y%3D&reserved=0)

Das Material kann unter Angabe von © Save the Children kostenfrei auch zur Weitergabe an Dritte genutzt werden.

Bei Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an unsere Pressestelle.

Über Save the Children

Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin undKinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder inDeutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist dieinzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt inüber 110 Ländern im Einsatz. Save the Children ist da für Kinder inKriegen, Konflikten und Katastrophen – seit 100 Jahren und darüberhinaus. Diese Kinder zu schützen, zu stärken und zu fördern ist daszentrale Anliegen der Organisation. Die Schwerpunkte der Arbeitliegen in den Bereichen Schule und Bildung, Schutz vor Ausbeutung undGewalt sowie Überleben und Gesundheit. Save the Children setzt sichein für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet. Eine Welt, inder alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmtaufwachsen können.

Pressekontakt:

Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle – Susanne Sawadogo
Tel.: +49 (30) 27 59 59 79 – 120
Mail: susanne.sawadogo@savethechildren.de

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