Kükentöten: Ausstiegsziel der Bundesregierung wackelt offenbar

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Kükentöten: Ausstiegsziel der Bundesregierung wackelt offenbar

Geflügelwirtschaft plant nur Teilausstieg – Foodwatch fordert Verbot

Osnabrück. Die Geflügelwirtschaft in Deutschland strebt offenbar zunächst nur
einen Teilausstieg aus dem umstrittenen Töten männlicher Küken an. Das berichtet
die “Neue Osnabrücker Zeitung”. Damit wäre die Ankündigung von
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), 2021 das millionenfache
Töten zu beenden, hinfällig. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch spricht
von Täuschung und fordert die Bundesregierung auf, das Kükentöten per Verbot
komplett zu beenden. Bei der Kritik beruft sich Foodwatch auf ein internes
Papier des Zentralverbandes der Geflügelwirtschaft (ZDG).

In dem Papier stellt der Lobbyverband zwar einen Ausstieg aus dem Kükentöten bis
zum 1. Januar 2022 in Aussicht – das hatte zuletzt auch
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner angekündigt. Der Ausstieg soll
aber nicht komplett, sondern zunächst nur im Bereich der sogenannten Schaleneier
vollzogen werden. Das sind die Eier, die Verbraucher im Karton im Supermarkt
kaufen. Im Bereich der verarbeiteten Eier etwa für Gebäck oder Nudeln soll das
Kükentöten zunächst weitergehen.

Der Geflügelverband rechnet vor, dass durch Alternativen zum Vergasen männlicher
Küken im Zuge der Schaleneier-Produktion etwa 26 Millionen männliche Tiere nicht
mehr getötet werden müssten. Die Eier würden entweder weit vor dem Schlüpfen
aussortiert und weiterverarbeitet. Oder die männlichen Tiere im Zuge sogenannter
Bruderhahn-Initiativen aufgezogen. Die Gesamtzahl der vergasten Küken lag in den
vergangenen Jahren allerdings zwischen 40 und 50 Millionen Tieren. “Das Ziel des
Komplettausstiegs wird in den nächsten Jahren bis 2023 kontinuierlich
weiterverfolgt”, heißt es in dem Verbandspapier. ZDG-Präsident Friedrich-Otto
Ripke sagte auf Anfrage der “NOZ”: “An den Zahlen wird sich noch einiges
ändern.” Es würden derzeit intensive Gespräche geführt, wie die Zahl der
getöteten Hähne weiter gesenkt werden könne.

Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker kritisierte den Plan der
Geflügelwirtschaft. Er verwies darauf, dass die Große Koalition das Ende des
Kükentötens ursprünglich bereits für diesen Herbst angekündigt hatte. Rücker:
“Julia Klöckner muss die Frage beantworten, weshalb sie noch immer bei derart
scheinheiligen Verhandlungen um einen freiwilligen Ausstiegstermin mitspielt,
anstatt das Kükentöten endlich per Gesetz zu verbieten.” Der Zentralverband
warnt regelmäßig vor einem Verbot. Dies würde die Legehennenproduktion lediglich
ins Ausland verdrängen, wo männliche Küken weiter getötet würden, so der
Verband.

Pressekontakt:

Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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