Lausitzer Rundschau: Ein schlauer Zug Die Bahn und die Pünktlichkeit

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Es war eine Charmeoffensive der Bahn. Und ein
Gegenschlag zugleich. Genervt vom ewigen Genörgel an der
Unpünktlichkeit der Züge und verärgert von einer Studie der Stiftung
Warentest, nach der mehr als ein Drittel aller Fernzüge Verspätung
hat, legt die Bahn jetzt monatlich ihre eigene Statistik vor. Das ist
ein schlauer Zug. Die Maßnahme kostet nichts, die Statistik kommt aus
der eigenen Schublade, und mit ihr lässt sich das ramponierte Image
aufpolieren. Die Frage ist allerdings, ob die neue
Pünktlichkeitserhebung auch wirklich etwas für den Kunden bewirkt.
Wohl nicht, denn laut Bahn ist ja alles in Butter. Das wiederum
stimmt aber nicht. In der Tat hat der Konzern damit Recht, dass das
System so komplex und anfällig von außen ist, dass sich Verspätungen
nicht ausschließen lassen. Richtig ist auch, dass die Menschen
offenbar eher bereit sind, Unpünktlichkeiten beim Flieger in Kauf zu
nehmen als beim Zug. Das Service-Unternehmen verkennt jedoch den
schlichten Umstand, dass deutlich mehr Menschen die Bahn benutzen als
das Flugzeug. Vor allem aber besteht zwischen statistischer und
tatsächlich erlebter Unpünktlichkeit immer noch ein feiner
Unterschied. Wer bei Eiseskälte am Gleis warten muss, wer einen
wichtigen Anschluss verpasst, den interessiert das statistische
Mittel nicht. Die Bahn macht es sich einfach, indem sie Pünktlichkeit
anders definiert als viele ihrer Gäste. So gelten unter sechs Minuten
Verspätung immer noch als pünktlich. Da ist man in anderen Ländern
deutlich kleinlicher. Mehr Offenheit ist zweifellos lobenswert. Nur
das allein reicht nicht.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481232
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