Mehr Transparenz bitte Eine Anti-Corona-App soll dabei helfen, der Pandemie Herr zu werden. Das ist sinnvoll. Doch mit den bisherigen Ansätzen wird Vertrauen verspielt. Von Jana Wolf

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Es ist Mitte April, am Beginn des dritten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert. Einige Gesundheitsämter im Land faxen ihre Daten über lokale Infektionszahlen und den Virusverlauf an das Robert-Koch-Institut. E-Mails, online zugängliche Register, digitales File-Sharing – all das wäre technisch natürlich verfügbar. Doch das Mittel der Wahl mancher Behörden ist noch immer: das Fax. Im Angesicht der gegenwärtigen Krise ist dieser Kommunikationsweg – nun ja, nennen wir es: traditionsbewusst. Derzeit kämpfen Staaten, Gesellschaften, Menschen weltweit unter Hochdruck gegen eine sich rasant ausbreitende Pandemie an. Es geht jetzt darum, flexibel und innovativ zu handeln und schnell Lösungen zu erarbeiten. Faxende Gesundheitsämter sind zum Sinnbild für die digitale Rückständigkeit geworden, die in der Corona-Zeit einmal mehr zu Tage tritt. Die gute Nachricht ist: Dieses Defizit ist politisch erkannt. Eine Anti-Corona-App soll es richten und dabei helfen, Infektionsketten schneller nachzuverfolgen. Die Grundidee dieser App sieht, stark vereinfacht, so aus: Fast jeder trägt heute ein Handy bei sich und fast jedes Handy ist mit Bluetooth ausgestattet. Geräte mit dieser Technologie können bei geringen Abstand Signale austauschen. Mittels der App registriert das Handy alle Personen, denen man nahe kommt. Wird eine dieser Personen positiv auf Covid-19 getestet, wird man via Handy gewarnt. Umgekehrt gilt das Gleiche: Infiziert man sich selbst, gibt man das in die App ein. Daraufhin werden andere Menschen, denen man begegnet ist, umgehend benachrichtigt. Dass ein solcher Ansatz grundsätzlich sinnvoll ist, darin sind sich Regierungsvertreter und Oppositionspolitikerinnen, Epidemiologen und Netzaktivistinnen, internationale Wissenschaftler und viele Bürgerinnen weitgehend einig. Zurecht. Denn wir müssen die digitalen Methoden, die uns im 21. Jahrhundert zur Verfügung stehen, unbedingt ausschöpfen. Gerade jetzt, um diesem Virus so effizient wie möglich Herr werden zu können. Die Bundesregierung bezeichnet die App sogar als “ganz zentralen Baustein” ihrer Gesundheitspolitik. Die schlechte Nachricht aber ist: Noch ist diese Lösung mehr Baustelle als Baustein. Es fehlt an klaren Konzepten und transparenter Kommunikation. Gerade Letzteres ist dringend notwendig. Denn der Erfolg einer Virus-Warn-App hängt wesentlich davon ab, dass möglichst viele Bürger sie auf ihrem Handy installieren. Dafür muss man darauf vertrauen können, dass die Technik sicher und die eigenen Daten geschützt sind. Vertrauen lässt sich nur durch Transparenz erreichen – mehr Transparenz als bisher. Was passieren kann, wenn es genau daran fehlt, lässt sich gerade an einem europaweiten Konsortium beobachten, dass an einer App-Lösung arbeitet. Rund 130 Wissenschaftler, darunter das Koch-Institut, diverse Universitäten und Fraunhofer-Institute, feilen an einer Plattform mit dem sperrigen Namen “Pan European Privacy-Preserving Proximity Tracing”. Pepp-Pt startete als vielversprechendes, kooperatives Projekt – doch nun droht es zu scheitern. Immer mehr Forscher warnen davor, dass Handydaten zur Kontaktnachverfolgung auf einem zentralen Server gespeichert werden. Genau das aber sieht Pepp-Pt vor. Die Kritiker wittern die Gefahr von Hackerangriffen und Datenmissbrauch. Und sie beklagen: mangelnde Transparenz. Eine schnelle, technisch innovative Lösung wird immer unwahrscheinlicher. Die Bundesregierung äußert sich dazu bisher: gar nicht. Man wolle interne Diskussionen zwischen Wissenschaftlern nicht kommentieren. Vor dem Hintergrund, dass man eine App als “zentralen Baustein” in der Virus-Bekämpfung betrachtet, ist diese Zurückhaltung heikel. So wird Vertrauen verspielt, nicht aufgebaut. Schluss mit diesen Faxen. Dann ist hoffentlich auch bald Schluss mit dem Faxen.

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