Mehr Zeit für pflegende Angehörige

Abgelegt unter: Soziales |





Fachkräftemangel, Pflegenotstand, demographischer Wandel. Schlagwörter, die Politik und Wohlfahrt schon seit Jahren prägen und sich in ihren Kernaussagen dennoch massiv verschärfen. Auch in Münster spitzt sich die Lage immer weiter zu und führt dazu, dass immer mehr Menschen ihre Angehörigen selbst pflegen. Über die damit verbundene Mehrbelastung im Beruf indes spricht man hierzulande immer noch viel zu wenig.

In der Diskussion um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stand lange Zeit die Kin-derbetreuung im Fokus. Seit einigen Jahren rückt allerdings zunehmend auch die Betreuung pflegebedürftiger Familienmitglieder in den Mittelpunkt. Vor allem in der nahenden Vorweihnachtszeit nehmen viele ihre Angehörigen zu sich nach Hause und widmen ihnen einen Großteil ihrer Aufmerksamkeit. Das, so weiß man beim pme Familienservice in Münster, sei grundsätzlich auch eine positive Entwicklung und stärke den Zusammenhalt innerhalb der Familie. Allerdings bedeute das in fast allen Fällen auch immer eine zusätzliche Belastung im Beruf: „Viele Menschen beklagen Erschöpfungszustände und Konzentrationsprobleme im Job, wenn sie nebenbei auch noch die häusliche Pflege oder Betreuung im Hinterkopf haben“, berichtet Britta Hüfing, Filialleiterin beim pme Familienservice. „Die Aufrechterhaltung der Beschäftigung gestaltet sich bei zunehmendem Pflegeaufwand oft sehr schwierig.“ Selbst die reine Betreuung von Angehörigen stelle oftmals eine vielfach unterschätzte psychische Belastung dar. Es sei vor allem der ungewohnte Rollenwechsel, der die Angehörigen belaste: „Viele müssen sich erst an den Gedanken gewöhnen, dass ihre eigenen Eltern plötzlich in einer Lebensphase sind, in der sie sich nicht mehr unbedingt selbst versorgen können“, so Hüfing.

Das Münsteraner Dienstleistungsunternehmen sieht daher vor allem Unternehmer in der Pflicht, dem sich wandelnden Bedarf ihrer Angestellten gerecht zu werden und auf die private Situation einzugehen: „Die Bewältigung dieser Herausforderung sollte nicht allein den pflegenden Angehörigen überlassen werden“, appelliert die Sozialwissenschaftlerin. „Unternehmen müssten für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf bessere Rahmenbedingungen schaffen und sehen nicht, dass sie durch die Entlastung ihrer Mitarbeiter im Endeffekt ebenfalls davon profitieren. Entspanntere Mitarbeiter bedeuten nämlich gleichzeitig auch leistungsfähigere Mitarbeiter.“

Aus welchen Möglichkeiten man als Arbeitgeber und Arbeitnehmer dafür schöpfen kann, hänge dabei oft vom Einzelfall ab. Denn die Erfahrung zeige, dass nicht alle Maßnahmen zu jedem Unternehmen passen. Allerdings mangele es in fast allen Fällen zunächst an Hintergrundinformationen, weiß auch Britta Hüfing: „Ob Auskünfte zu Familienpflegezeit, die Suche nach einer Pflegelösung oder die Beantragung von Finanzleistungen – Aufklärungsarbeit zu allen Themen rund um die Pflege ist und bleibt die wichtigste und gleichzeitig einfachste Möglichkeit für jedes Unternehmen, Hilfen anzubieten.“ Denn das beste Geschenk für die eigenen Eltern sind nach wie vor Zeit und Aufmerksamkeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de