Mittelbayerische Zeitung: An den Taten sollt ihr sie erkennen / Der Katholische Kirche laufen die Gläubigen davon. Einigen ist sie zu konservativ, einigen zu weltlich. Dabei vergisst sie zusehends ihren eigenen Markenkern.

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Papst Franziskus ist in Bedrängnis: Die Gläubigen laufen der
Kirche scharenweise davon. Immer mehr Menschen in den westlichen Ländern wie
Deutschland haben keinerlei Bezug mehr zum Glauben. Wen wundert–s: Es vergeht
kaum ein Tag, an dem die Kirche keine Schlagzeilen produziert. Seit Jahren
belastet das Thema sexueller Missbrauch das Vertrauen in die Kirche. Dabei sind
es häufig Fälle, die sich vor vielen Jahren ereigneten. Viel Glaubwürdigkeit
gekostet hat die Kirche auch der Umgang mit dem Missbrauch, die Abwehrhaltung
der kirchlichen Würdenträger und das Deuten mit dem Finger auf andere
Institutionen, in denen es angeblich viel häufiger zu Missbrauch kommt. Steht
die Kirche also vor einem Abgrund? Häufig ereilt den Papst aus berufenem und
nichtberufenem Munde der Ratschlag, er solle doch die Kirche endlich öffnen: für
andere Glaubensrichtungen, für eine Priesterschaft von Verheirateten, ja auch
für Frauen als Priesterinnen. Der Papst, so scheint es, müsste die Katholische
Kirche nur evangelisch machen, dann wären alle Probleme beseitigt. Doch die
Lösung, aus der Katholischen einfach eine Evangelische Kirche zu machen, greift
zu kurz. Die Protestanten haben, in Schattierungen, dieselben Probleme: In
Entwicklungsländern werden die Freikirchen immer stärker. Je konservativer deren
Prediger von der Kanzel rufen, desto anziehender scheinen sie zu werden. Dabei
sind es nicht jene Gläubigen, die sonntags in die Kirche gehen, die den Kirchen
den Rücken zuwenden. Die Menschen, die in Deutschland zum Einwohnermeldeamt
gehen und austreten, haben mit Kirche und Glauben meist überhaupt nichts mehr am
Hut. Die Verweltlichung des Westens ist weit vorangeschritten. Folgten die
Menschen früher dem Lauf des Kirchenjahres, spielen heute Tage wie Mariä
Lichtmess kaum mehr eine Rolle. Die wenigsten getauften Katholiken haben
hierzulande noch Kontakt zu einem Priester. Da würde es auch nichts daran
ändern, wenn plötzlich eine Priesterin am Altar stehen würde. Zumeist bringt
jene Gläubige, die sich noch wirklich um die Kirche scheren, auch nicht die
Tatsache auf die Palme, dass Papst Franziskus Frauen als Priester ablehnt und
das Thema Homosexualität mit spitzen Fingern anfasst. Es ist die Bigotterie, die
Menschen verärgert. Das pfeifen doch die Spatzen vom Domdach, dass es viele
Homosexuelle im Priestergewand gibt. Warum greifen hohe Würdenträger der Kirche
also so häufig Homosexuelle und ihre Lebensform an? Auch Pfarrer, die unter
einem Dach mit ihrer Pfarrersköchin leben, soll es geben. Luxuswohnungen von
Kardinälen in Rom zählen ebenfalls in diese Kategorie. Wasser predigen und Wein
trinken, daran krankt die Katholische Kirche in der Wahrnehmung vieler Menschen.
“Seid Menschenfischer”, hat Jesus seinen Jüngern empfohlen. Doch genau daran
mangelt es. Statt sich hinter hohen Kirchenmauern und dem vielen Geld zu
verstecken, das die Kirche in Deutschland hat, müssten Priester und Bischöfe
jeden Tag unter Menschen gehen. Sie müssten einstehen für das, was Jesus
einforderte: den Nächsten so zu lieben wie sich selbst. Den Armen zu helfen. Die
Kranken zu versorgen. Kirche ist da stark, wo sie bei den Menschen ist und die
Schwachen tröstet. Papst Franziskus kann eine Reform nach der anderen anordnen,
er hat dazu die Macht als gewähltes Oberhaupt der Kirche. Doch was die einen
befrieden wird, führt die anderen auf den Kriegspfad. Nur wenn Kirche wieder
menschlich wird, wird sie Menschen zurückgewinnen. Dazu braucht sie eben solche
Menschenfischer, von denen im Evangelium die Rede ist: Statt sich hinter hohen
Kirchenmauern zu verstecken, müssen Priester und Bischöfe dorthin gehen, wo das
Leben stattfindet.

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