Mittelbayerische Zeitung: Mittelbayerische Zeitung (Regensburg) zu einem Prostituierten-Mord durch einen abgelehnten Asylbewerber in Regensburg:

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Zwei Jahre ist es her, als die Bilder von
Menschen, die sich teils zu Fuß auf dem Weg nach Deutschland machten,
zum täglichen Fernsehbild gehörten. Zwei Jahre, in denen sich vieles
geändert hat. Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Europa kommen, ist
gesunken, die Zahl derer, dies es bis zu uns schaffen, ohnehin. Die
Schließung der Balkanroute und das Abkommen mit der Türkei haben
dafür gesorgt, dass Deutschland sich scheinbar nicht mehr mit dem
Thema auseinandersetzen muss. Doch der Schein trügt. Es braucht nicht
erst das zurecht in vielen Punkten kritisierte TV-Duell zwischen
Angela Merkel und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz um zu
erkennen, wie viel Raum das Thema Flüchtlinge in der politischen und
der öffentlichen Debatte nach wie vor einnimmt. Es treibt die
Menschen um, verunsichert und verängstigt sie. Der Blick nach
Regensburg, wo ein abgelehnter Asylbewerber eine Prostituierte
ermordet haben soll und ein Teilgeständnis abgelegt hat, ist Wasser
auf die Mühlen aller, die immer gewarnt haben, dass mit den
Flüchtlingen Probleme auf uns zukommen, auch Gewalt und Kriminalität.
Die Frage, ob die Frau noch leben würde, wenn sie nicht mit dem Mann
Kontakt gehabt hätte, lässt sich offensichtlich nicht anders
beantworten als mit Ja. Ebenso wie die junge Frau, die in Freiburg
von einem Asylbewerber überfallen, vergewaltigt und getötet wurde.
Der Mann steht seit dieser Woche vor Gericht. Ja: Es gibt diese
Verbrechen. Sie sind durch nichts zu relativieren. Aber sie sind
nicht Beleg dafür, dass die Menschen, die zu uns gekommen sind,
Verbrechen und Gewalt mitgebracht haben. In einer Menge X von
Menschen wird es immer eine Menge Y von Gewalttätern oder Kriminellen
geben. Der Großteil der Flüchtlinge und Asylbewerber gehört aber
nicht zu letzteren. Sie sind vor Gewalt geflohen. Dennoch zeigt der
Fall aus Regensburg, dass es sehr wohl Probleme gibt: Diejenigen, die
kein Recht auf Asyl haben, werden zu oft nicht schnell genug
abgeschoben. Aber der Illusion, dass Abschiebung Sicherheit bedeutet,
darf sich niemand hingeben. Niemand kann sagen, ob ein
Asylberechtigter nicht eines Tages straffällig wird. Ebenso wenig
aber wissen Sie, ob Ihr Nachbar morgen ein Verbrechen begeht. Alle
Risiken kann man nicht ausschließen. Dennoch gibt es vermeidbare. Der
Weihnachtsmarkt-Attentäter von Berlin lebte mit einer Vielzahl von
Identitäten hier im Land. Er nutzte Lücken im System aus, das
offensichtlich überfordert und nicht auf die Aufgaben vorbereitet
war, die die Flüchtlingssituation der Jahre 2015/16 mit sich brachte.
Es muss Aufgabe der kommenden Regierung(en) sein, aus diesen und
anderen Fehlern der Vergangenheit Konsequenzen zu ziehen. Abgelehnte
Asylbewerber müssen das Land schnell verlassen, genauso straffällig
gewordene. Auf der anderen Seite muss die gesellschaftliche
Integration und die Eingliederung in den Arbeitsmarkt der hier
Angekommenen schnell vorangetrieben werden. Nur so kann ein
friedliches und angstfreies Miteinander gelingen. Denn eines muss
klar sein: Die Flüchtlingskrise ist nicht vorbei. Wir haben sie
kontrolliert oder ausgelagert, je nach Sichtweise. Vor den Grenzen
Europas warten noch viele, die ihr Heil in der Flucht suchen, weil
ihre Heimat keine Zukunft bietet, weil sie dort Leid oder Tod
erwarten. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs gegen die Slowakei
und Ungarn, die sich weigerten, Kontingente von Flüchtlinge
aufzunehmen, zeigt, dass auch unser Kontinent bis heute über den
richtigen Weg angesichts der Migrationsbewegungen vor seiner Haustüre
streitet. Aber dieser Streit muss sein. Weil es keine einfachen
Lösungen gibt angesichts der komplexen Probleme, vor die uns dieses
Zeitalter der Flucht stellt. Deutschland hat in den vergangenen zwei
Jahren diesen Streit mehrfach durchlebt und streitet bis heute. Das
Gute: Die Populisten und Extremisten haben ihn nicht gewonnen. Das
macht Mut, trotz aller Probleme, tragischer und furchtbarer
Ereignisse in der Folge der Flüchtlingskrise.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
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