NABU protestiert bei Sondierungsgesprächen: Hallo Jamaika, neue Agrarpolitik jetzt

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Vor dem Gebäude der Jamaika-Sondierungen hat der
NABU am heutigen Freitag für eine naturverträglichere Landwirtschaft
demonstriert. Die Naturschützer machten deutlich, dass sie in den
bisherigen Gesprächen von CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen
Antworten vermissen, wie die drängendsten Probleme der Landwirtschaft
gelöst werden können. Sie riefen die Unterhändler dazu auf, die
Agrarpolitik grundlegend zu ändern, das Artensterben in der
Agrarlandschaftzu stoppen und sich für eine positive Zukunft für
Landwirte und Natur gleichermaßen einzusetzen.

„Ein weiter wie bisher darf es in der Agrarpolitik keinesfalls
geben. Wir sehen deutlich, wohin die Turbo-Intensivierung der
vergangenen Jahre geführt hat: die Insekten sterben, das Grundwasser
ist vielerorts massiv mit Nitrat belastet – und die Folgekosten gehen
zu Lasten der Bürger“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Der NABU fordert die vier Parteien auf, sich klar zu einer
Änderung der EU-Agrarpolitik zu bekennen. Diese stellt letztlich auch
in Deutschland die wesentlichen Weichen dafür, was auf Feldern und
Wiesen passiert. Zur Zeit werden in Brüssel die EU-Agrargelder neu
verhandelt, sie machen fast 40 Prozent des EU-Haushalts aus. „Wir
wollen weg von der Gießkannen-Förderung, die in erster Linie großen
Agrarbetrieben pauschal zugute kommt, auch wenn sie wenig für die
Umwelt und das Allgemeinwohl tun. Wir wollen, dass es sich für
Landwirte wieder lohnt, sich für gesunde Lebensmittel und den Erhalt
der Natur einzusetzen“, so Miller.

Der NABU fordert in einem möglichen Koalitionsvertrag sowohl eine
naturverträglichere Ausrichtung der EU-Agrarsubventionen zu verankern
als auch die Einrichtung eines EU-Naturschutzfonds in Höhe von 15
Milliarden Euro. Aus diesem könnten Landwirte künftig für konkrete
Leistungen zum Erhalt der Natur entlohnt werden. Langfristig könne
hierdurch eine nachhaltigere Entwicklung der Landwirtschaft erreicht
und der Schwund von Insekten und Vögeln gestoppt werden. Gleichzeitig
sei es notwendig, die Zukunft für Landwirte durch faire Preise und
eine bessere Regionalvermarktung zu sichern.

Mit Blick auf die künftige Zulassung von Pestiziden kritisiert der
NABU die deutlich von der Agrarlobby diktierten Formulierungen.
„Bayer, BASF und Co. haben ihre Wünsche eins zu eins ins
Sondierungspapier gebracht. Dass chemische Präparate künftig um neue
und zielgenauere Wirkstoffe erweitert werden sollen, trägt deutlich
die Handschrift der Agrar-Industrie. Eine Jamaika-Koalition mit
Weitblick würde statt dessen dafür sorgen, dass der Einsatz von
Pestiziden stark verringert wird und Landwirte so Schritt für Schritt
aus Glyphosat und Co. aussteigen können“, so Miller.

Pestizide seien künftig auch hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf
Tiere und Pflanzen zu prüfen. Insgesamt müsse der Zulassungsprozess
deutlich transparenter ablaufen als bisher und die Landwirtschaft so
entwickelt werden, dass ein massiver flächendeckender Einsatz von
Pestiziden gar nicht mehr erforderlich sei. Auf europäischer Ebene
solle sich Jamaika zudem klar für ein baldiges Ende von Glyphosat
aussprechen.

Anlässlich der Sondierungsgespräche hat der NABU eine
Online-Protestaktion gestartet. Auf www.NABU.de/neueagrarpolitik
können sich Interessierte ganz einfach per E-Mail an die
Parteispitzen wenden und sie dazu auffordern, sich für eine
naturverträgliche Landwirtschaft einzusetzen.

Kostenfreie Bilder zur heutigen Demonstration:
https://seafile.nabu.de/d/907e018d05/

Mehr zu den NABU-Forderungen für eine neue Agrarpolitik:
www.NABU.de/agrarreform2021

Pressekontakt:
Konstantin Kreiser, NABU-Experte für EU-Agrarpolitik,
Tel. +49 (0)30.284984-1614, mobil: +49 (0)172-4179730,
E-Mail: konstantin.kreiser@NABU.de

NABU-Pressestelle

Kathrin Klinkusch | Iris Barthel | Britta Hennigs | Nicole Flöper

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Original-Content von: NABU, übermittelt durch news aktuell

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