Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Regierungskonsultationen zwischen Berlin und Peking Wettlauf um China Johann Vollmer

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Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
An dieser deutschen Weisheit scheint Chinas Regierung zunehmend
Gefallen zu finden. Im Machtdreieck Berlin-Moskau-Peking hat es
gewaltige tektonische Verschiebungen gegeben, das Jahr 2014 ist für
die Kommunistische Partei (KP) ein Glücksfall. Handzahm wie lange
nicht geben sich sowohl Wladimir Putin als auch Angela Merkel. Die
wegen mangelnder Dialogbereitschaft hausgemachten europäischen Krisen
haben den Wettlauf um China neu entfacht. Russland und Deutschland
sind nach wilder gegenseitiger Sanktioniererei geschwächt. Der
deutsche Export ist zuletzt so stark eingebrochen wie seit fünf
Jahren nicht mehr. Und Russland, dessen Erdgasgeschäfte 60 Prozent
der Devisen an Land spült, braucht dringend neue Abnehmer, seit sich
der Westen nach neuen Lieferquellen umsieht. Im Mai diesen Jahres hat
Russland mit China einen Milliardendeal über Gaslieferungen
abgeschlossen. Zum Vorteil Pekings, das weitaus weniger bezahlen muss
als die europäischen Abnehmer. Und in den Milliardendeals mit der
deutschen Wirtschaft muss die KP kaum mit ernsten Nachfragen zu dem
Verbleib von Bürgerrechtlern oder zu Hongkongs Demokratiebewegung
rechnen. Stattdessen stellt Peking inzwischen offen die berechtigte
Frage: Wer ist hier eigentlich abhängig von wem? Ein chinesisches
Sprichwort sagt: „Zum Streiten braucht man zwei“ – den Eintrag für
Europas Poesiealbum gibt Peking gratis.

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