Neue Westfälische (Bielefeld): Debatte um den Wolf Der Mensch ist das Untier Martin Krause

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Nein, Wölfe sind keine niedlichen Fellknäuel,
die allein von üblen Nachrednern zu Unrecht in Misskredit gebracht
worden sind. „Seid auf der Hut vor dem Wolf“, warnt die kluge Mutter
ihre Kinder selbstverständlich. „Isegrimm“ hat sich seinen Ruf seit
alters her mit Biss verdient – als Bedrohung für Weidetiere und
Risikofaktor für Waldwanderer. Wölfe sind gefährlich, vor allem, wenn
sie rudelweise auftreten. Und das Rudel ist ihre bevorzugte
Lebensform. Also doch – der Wolf, der Wolf, zu Hilfe? Immerhin soll
eines der schätzungsweise 600 Tiere, die in Deutschland inzwischen
wieder heimisch sind, vor wenigen Wochen erst einen Gärtner
angegriffen und in den Arm gebissen haben. Ausgerechnet auf einem
Friedhof im niedersächsischen Bülstedt, irgendwo zwischen Bremen und
Hamburg. „Warum gibt es immer mehr Wölfe in Deutschland?“, fragte
eine große Boulevardzeitung danach fassungslos. Gott sei Dank, am
Ende war es wohl doch kein Wolf, wie DNA-Proben ergaben – untersuchte
Haare wurden Katzen, Hunden und sogar Rehen zugeordnet. Welcher
Tierart die angeblich nahebei gesehenen anderen Mitglieder des
obskuren Rudels angehörten, blieb ungeklärt. Die Warnung vor dem Wolf
war nie auf den Wolf an sich beschränkt. Der Mensch ist dem Menschen
ein Wolf (solange man sich nicht kennt), soll vor 2.000 Jahren der
römische Dichter Plautus formuliert haben. Der britische Philosoph
Thomas Hobbes wandte den Satz auf Staaten und Gesellschaft an. Es
wurde ein geflügeltes Wort. Das wahre Untier ist der Mensch, wissen
wir. Die Mutter empfiehlt ihrem Rotkäppchen, „hübsch sittsam“ auf dem
Weg zu bleiben. Wir können uns den Rat zu Herzen nehmen und als Weg
den Mittelweg einschlagen: So albern, wie manche hysterische Reaktion
klingt, so naiv wäre eine völlig unkontrollierte Verbreitung des
Wolfes im ganzen Land. Vernünftige Vorschläge liegen auf dem Tisch.
Dass die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle steht, wird auch
von entschiedenen Wolfsschützern vertreten. Auffällige (sprich:
gefährliche) Wölfe können „entnommen“ werden, sagt selbst der
Naturschutzbund Deutschland. Und Nutztierhalter brauchen
Unterstützung, um ihre Herden besser schützen zu können. Ein
„Bestandsmanagement“ mit regelmäßigen Jagden, wie es Landbesitzer
wünschen, muss dafür aber derzeit nicht eingeführt werden. Der Wolf
kann eine gute Rolle für das ökologische Gleichgewicht spielen. Aber
es entspricht nicht unserem ökologischen Verständnis, Wölfe mit
Wackersteinen zu stopfen.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
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