neues deutschland: Keine Freibriefe – Kommentar zur Schuldfrage im Russsland-Ukraine-Konflikt

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Was auch immer zwischen Kiew und Moskau Übles
geschieht, im Westen ist die Schuldfrage noch vor der Untat geklärt.
Nähere Prüfung oder gar Nachdenken sind nicht gefragt. Warum
eigentlich soll Russland noch Rücksicht nehmen, wenn es ohnehin
längst verurteilt ist? Ein gefährlicher Freibrief!

Nicht Kriegsgeschrei und Aufrüstung, sondern Vermittlung mit Blick
auf Interessen und Zusammenhänge täten im Falle des Scharmützels bei
Kertsch gut. Dort verbindet die neue Brücke das russische Festland
mit der Krim. Die Halbinsel ist von höchstem strategischen Wert für
Russland. Wer hier unklare Manöver fährt, weiß genau, dass er
provoziert. Nicht nur einmal gab es ukrainische Drohungen, das Ding
gehöre in die Luft gejagt – wie zuvor die Strommasten zur Versorgung
der Krim.

Was jedoch die Ukraine unternimmt, ist in den Augen des Westens
wohlgetan. Für die Umsetzung von Minsk und den Frieden tut Kiew den
Teufel – ungestraft. Ein gefährlicher Freibrief! Der westliche
Vormarsch ins slawische Kern- und gewesene Bruderland der Russen
brachte nicht den verheißenen Segen. Moskau nahm ihn als Begründung
zur Rettung seiner Stützpunkte und damit gleich der ganzen Krim vor
der NATO.

Der Präsident in Kiew beschwört nun den »großen Krieg«. Sein
Botschafter in Deutschland fordert von Berlin wahrhaftig ein
Ultimatum gegen Russland und die Entsendung der deutschen Marine ins
Schwarze Meer. Als wüsste niemand mehr, wie solches bereits einmal
endete.

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neues deutschland
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Telefon: 030/2978-1722

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