rbb-exklusiv: Bundesweit letztes Kooperationprojekt mit Ditib zur Deradikalisierung gescheitert

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Die Zusammenarbeit von Violent Prevention Network (VPN) und der
bundesweit bekannten Sehitlik-Moschee, die zum türkischen Dachverband
Ditib gehört, ist beendet. Das haben Recherchen der rbb-Redaktion
Investigatives und Hintergrund ergeben.

Violence Prevention Network (VPN) und die lange als liberal
geltende und zum türkischen Dachverband Ditib gehörende
Sehitlik-Moschee am Berliner Columbiadamm hatten seit 2015 bei der
Prävention und Deradikalisierung unter muslimischen Jugendlichen
zusammengearbeitet. Es war das bundesweit letzte Projekt auf diesem
Gebiet, an dem Ditib noch beteiligt war, seit die direkte Förderung
des von Ankara gesteuerten Dachverbandes der türkischen
Moscheegemeinden in Deutschland eingestellt wurde.

VPN hat die Zusammenarbeit mit der Ditib-Moschee aufgekündigt,
nachdem Ende September eine Mitarbeiterin massiv bedrängt und
beleidigt worden war. Der Vorfall hat sich nach rbb-Recherchen in den
Räumlichkeiten der Moschee abgespielt, als die VPN-Mitarbeiterin eine
Schulklasse, die auf Einladung des Auswärtigen Amtes dort war, über
das seit 2015 existierende Kooperationsprojekt Bahira informieren
wollte. Das Kooperationsprojekt von VPN und der Sehitlik-Moschee
wendet sich an muslimische Jugendliche, die in den islamistisch
geprägten Extremismus abzugleiten drohen. Der Leiter von VPN, Thomas
Mücke, sagte dem rbb, fünf Männer hätten sich vor seiner
Mitarbeiterin aufgebaut und diese bedrängt und beleidigt. „Das ist
inakzeptabel. Wir mussten als Träger des Projekts sofort reagieren
und die Zusammenarbeit beenden“, so Mücke weiter.

Die Beratungsstelle BAHIRA wurde seit 2015 im Rahmen des
Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Bundesfamilienministerium und
vom Berliner Senat mit rund 160.000 Euro jährlich gefördert. Die
integrationspolitische Sprecherin der Grünen, Bettina Jarasch, sieht
den muslimischen Dachverband Ditib spätestens seit dem Putschversuch
in der Türkei auf einem kritischen Weg. Die Einflussnahme der Türkei
und der türkischen AKP-Regierung über die türkische Botschaft auf die
Ditib-Moscheen in Deutschland werde immer stärker und
problematischer, sagte Jarasch dem rbb. „Ganz grundsätzlich würde ich
sagen, dass sich die Einflussnahme eines Staates auf
Religionsgemeinschaften nicht mit unserer Vorstellung von
Religionsfreiheit verträgt.“ Jetzt gehe es darum, sich in der
muslimischen Gemeinschaft nach neuen, liberaleren Partnern umzusehen.

Das Bundesfamilienministerium teilte dem rbb mit, dass bereits
seit Ende 2017 keine Projekte der Ditib in alleiniger Trägerschaft
mehr gefördert werden. Die an der Finanzierung von Bahira beteiligten
Senatsverwaltungen kündigten auf rbb-Anfrage an, das Projekt weiter
unterstützen zu wollen. Der Trägerverein VPN müsse sich aber nun nach
neuen Kooperationspartnern umschauen. Der Dachverband Ditib reagierte
auf eine rbb-Anfrage nicht.

Pressekontakt:
Rundfunk Berlin-Brandenburg

Redaktion Investigatives und Hintergrund
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14057 Berlin

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