rbb-exklusiv: „Maskenmann-Fall“: Schwere Vorwürfe gegen Polizeiführung

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Der Vorsitzende der Deutschen
Polizeigewerkschaft Brandenburg, Peter Neumann, erhebt im
Politik-Magazin KLARTEXT schwere Vorwürfe gegen die Polizeiführung
des Landes Brandenburg im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum so
genannten „Maskenmann-Fall“.

Vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) wird zurzeit ein Strafprozess
in dieser Angelegenheit unter anderem wegen Entführung geführt.

Nach Kenntnis des Gewerkschaftsvorsitzenden hätten einige der
Kommissare während der Ermittlungen kritische Fragen zu den Aussagen
des mutmaßlichen Entführungsopfers aufgeworfen und große Zweifel an
dessen Darstellung des Tatherganges zur Sprache gebracht – allerdings
ohne Konsequenzen für den Ermittlungsverlauf. „Doch das durfte nicht
hinterfragt werden“, erklärte Oberkommissarin Kerstin B. vor einigen
Tagen dem Gericht auf Nachfrage und ergänzte, dass sie wohl wegen
ihrer kritischen Haltung sukzessive von dem Fall abgelöst worden sei.
Nach KLARTEXT-Recherchen soll vor allem der Leiter der
Mordkommission, Falk Küchler, weitere Ermittlungen zu den kritischen
Fragen abgelehnt haben.

Für den Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft
Brandenburg, Peter Neumann, ist das ein Skandal. „Die Oberkommissarin
läuft Gefahr, einen Karriereknick hinnehmen zu müssen, weil sie so
ehrlich und offen mit der Problematik umgegangen ist. Das ist
symptomatisch für die Polizei in Brandenburg, weil Vorgesetzte nicht
hinter ihren Kollegen stehen, sondern unliebsame Kollegen, ehrliche
Kollegen nicht haben möchten, die laufen dann Gefahr früher oder
später versetzt zu werden.“

Nach Recherchen von KLARTEXT ist einer ihrer Kollegen wegen seiner
kritischen Haltung zum bisherigen Ermittlungskonzept der
Polizeiführung in demselben Verfahren bereits versetzt worden, ein
höherer Beamter, der hinter den Kollegen stand, musste sich gegen
seine Zwangsversetzung mit Hilfe des Personalrats wehren.

Der Verteidiger des Angeklagten im Entführungsprozess, Axel
Weimann, gewinnt mehr und mehr den Eindruck, dass es hier eine
massive Einflussnahme durch die Polizeiführung gegeben haben muss.
Axel Weimann: „Hier ist offenbar eine solche Einflussnahme auf
ermittelnde Beamte vorgenommen worden, dass ich mir nicht vorstellen
kann, dass das nicht mit Rückendeckung der Polizeiführung gegangen
ist, denn das Ganze ist eine Berichtssache. Wenn Polizeibeamte
ausgewechselt werden, dann kann ich mir schwer vorstellen, dass das
nicht ohne Führung geschah.“

So sollen Rekonstruktionen des Tatgeschehens nicht den
tatsächlichen Schilderungen des mutmaßlichen Opfers entsprochen
haben, meint Verteidiger Axel Weimann:

„Das Laufen im Sumpfgebiet, das Verbringen im 14 Grad kaltem
Wasser – so wie es der Angeklagte schildete, absolvierten die
Polizisten im Neoprenanzug. Tatsächlich aber soll der Geschädigte
nach eigenen Angaben in einer Baumwollhose, Pullover und nur auf
Strümpfen die Tage in Geiselhaft verbracht haben. Das ist für mich
eine Verzerrung der Wahrheit.“

Polizeigewerkschafter Peter Neumann dazu: „Aber letzten Endes kann
es so nicht laufen. Man kann seitens der Polizeiführung so nicht in
die Ermittlungen eingreifen. Das ist für die Ermittlungen, das ist
für die positive Ermittlung des tatsächlichen Täters schädlich.“

Der Polizeipräsident hat ein Interview dazu abgelehnt, weist aber
schriftlich alle Vorwürfe der Einflussnahme oder Manipulation zurück.
Er räumt allerdings auf Nachfrage des rbb ein, dass es zurzeit ein
Disziplinarverfahren gegen den Leiter der Mordkommission gibt.

Mehr dazu im Politikmagazin Klartext am 29.10. 2014 um 22:15 h im
rbb.

Pressekontakt:
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