„Reform und Tradition müssen sich nicht ausschließen“/ Christlich-jüdisches Gespräch in Frankfurt

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Anlässlich des diesjährigen Reformationsgedenkens
haben sich Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, des Rates der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Allgemeinen und der
Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands bei ihrem diesjährigen
Treffen heute in Frankfurt am Main mit dem Thema „Reformation, Reform
und Tradition“ befasst. Die Teilnehmer haben die Reformation nicht
nur als innerchristliches Ereignis, sondern auch in ihren
gesellschaftlichen und kulturellen Folgen gewürdigt. Dabei wurde auch
die ambivalente Wirkungsgeschichte der Reformation gerade auch mit
Blick auf das christlich-jüdische Verhältnis und auf den christlichen
Antijudaismus in den Blick genommen.

„Der reformatorische Ruf zur Umkehr als eine das ganze Leben
betreffende Buße schließt notwendig auch das Verhältnis zum Judentum
mit ein“, erklärte der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen
Landeskirche Hannovers, Ralf Meister. Tragischerweise hätten Luthers
späte Äußerungen zum Judentum das Einfallstor für judenfeindliche
Aussagen im Protestantismus bis hinein ins 20. Jahrhundert gebildet,
so Meister weiter.

Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt) unterstrich, dass die
katholische Erinnerung an die Reformation von „einer tiefen
Ambivalenz“ geprägt sei. Die Reformation habe nicht nur Impulse zur
Erneuerung des kirchlichen Lebens gegeben, sondern auch zur Spaltung
der westlichen Christenheit und zu wechselseitigen religiösen und
sozialen Abgrenzungen geführt. „Erst der ökumenische Dialog der
vergangenen Jahrzehnte hat den Blick dafür freigemacht, dass die
Identität der Kirchen sich nicht in gegenseitiger Abgrenzung, sondern
in der Orientierung am Evangelium bildet.“

Von Seiten der Rabbiner wurde ausdrücklich gewürdigt, dass die EKD
sich schon im Vorfeld des Reformationsjubiläums von den antijüdischen
Schriften Martin Luthers distanziert und – wie zuvor schon die
katholische Kirche – einen theologisch begründeten Verzicht auf die
so genannte „Judenmission“ erklärt hat. Das sei ein weiterer,
wichtiger Schritt auf dem Weg der Versöhnung von Juden und Christen.

Die Beschäftigung mit der geschichtlichen Reformation führte zur
Frage, wie das Verhältnis von Tradition und Reform im Judentum und im
Christentum zu bestimmen ist. Rabbiner und Kirchenvertreter stimmten
darin überein, dass es nicht nur darauf ankomme, eine Tradition zu
bewahren, sondern sie für die Gegenwart fruchtbar zu machen. Die
Frage, welche Reformen theologisch legitim sind und nach welchen
Kriterien Reformen durchgeführt werden können, wurde hingegen sehr
unterschiedlich beantwortet.

Seit 2006 treffen sich Vertreter der Allgemeinen Rabbinerkonferenz
Deutschland (ARK) und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland
(ORD) mit Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates
der EKD einmal jährlich zu einem ausführlichen Meinungsaustausch, an
dem auch das Präsidium des Deutschen Koordinierungsrates der
Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit teilnimmt.

Weitere Informationen unter:

Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschlands – www.a-r-k.de Deutsche
Bischofskonferenz – www.dbk.de Evangelische Kirche in Deutschland –
www.ekd.de Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschlands –
www.ordonline.de Deutscher Koordinierungsrat –
www.deutscher-koordinierungsrat.de

Hannover, 6. März 2017

Pressestelle der EKD

Die Pressemitteilung wird zeitgleich mit der Pressestelle der
Deutschen Bischofskonferenz verschickt. Mehrfachsendungen bitten wir
zu entschuldigen.

Pressekontakt:
Carsten Splitt
Evangelische Kirche in Deutschland
Pressestelle
Stabsstelle Kommunikation
Herrenhäuser Strasse 12
D-30419 Hannover
Telefon: 0511 – 2796 – 269
E-Mail: presse@ekd.de

Original-Content von: EKD Evangelische Kirche in Deutschland, übermittelt durch news aktuell

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