Rheinische Post: Guttenberg-Dämmerung

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Ein Kommentar von Michael Bröcker:

Die Wissenschaft fühlt sich verhöhnt, Kabinettskollegen sind
beschämt, die Opposition zetert, und versprengte Demonstranten
spießen ihre Schuhe auf den Zaun des Verteidigungsministeriums. Es
ist das arabische Zeichen für Verachtung. So als sei Guttenberg ein
mörderischer Despot. Dabei ist der beliebteste Politiker Deutschlands
„nur“ ein Blender. Guttenberg ist an seinen eigenen Ansprüchen
gescheitert, schon als junger Doktorand wollte der ehrgeizige
Jungpolitiker zu schnell zu viel und hat dabei die Werte, für die ihn
das Volk später vereinnahmen und an die Spitze der Beliebtheitsskala
katapultieren sollte – Aufrichtigkeit und Anstand -, mit Füßen
getreten. Die Welle, die nun losgetreten wurde, kann selbst der
Superminister nicht zurückdrängen. Täglich kommen neue Details an die
Öffentlichkeit. Der Täuschungsvorwurf wiegt so schwer, weil die
plagiierten Textstellen so zahlreich und „deprimierend eindeutig“
sind, wie Parlaments-Chef Norbert Lammert treffend feststellte. Wäre
die Berliner Republik nicht schon im Vorwahlkampf und stünde
CDU-Chefin Merkel nicht vor einer Schicksalswahl in
Baden-Württemberg, wäre Guttenberg wohl nicht mehr im Amt. Noch ist
der Kanzlerin ein angeschlagener Minister, der die Säle füllt,
wichtiger als die Glaubwürdigkeit ihrer bürgerlichen Koalition. Noch.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2303

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