Rheinische Post: Kommentar / Alt sein will keiner = Von Horst Thoren

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Die gute Nachricht lässt manchen erschrecken.
Die Babys von heute haben die höchste Lebenserwartung aller Zeiten:
90 plus. Der Jahrgang 2017 hat somit beste Aussichten, das 22.
Jahrhundert zu erreichen. Wie aber werden dann die Alten leben? Wie
müssen sich gesellschaftliche Strukturen verändern? Wer aus der
Perspektive heutiger Senioren auf die Zukunft der Urenkel schaut, mag
sich zu Recht sorgen. Eine noch ältere Bevölkerung will betreut,
gepflegt, versorgt – letztlich finanziert werden. Schon heute stößt
unsere Gesellschaft bei der angemessenen Betreuung von Alten und
Kranken an Grenzen. Auf die Jüngeren kommt neben der wirtschaftlichen
auch eine gewaltige emotionale Herausforderung zu. Fürsorge
überfordert viele. Alt werden ist schön, alt sein will keiner. Mein
Vater sagt das. Er ist 89 Jahre alt. Wenn er sich beklagt, dann
darüber, dass unsere Gesellschaft die Alten vor allem als Belastung
empfindet. Er will niemandem zur Last fallen. Er möchte, dass
möglichst viele möglichst lange selbstbestimmt leben können. Dafür
aber muss sich noch viel, sehr viel ändern.

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