ROG fordert Freilassung des mazedonischen Journalisten Tomislav Kezarovski

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Reporter ohne Grenzen (ROG), n-ost – Netzwerk für
Osteuropa-Berichterstattung und Civil – Center for Freedom fordern
die unverzügliche Freilassung des mazedonischen Journalisten Tomislav
Kezarovski und das sofortige Fallenlassen der Anklage. Nach seiner
fragwürdigen Verurteilung zu einer viereinhalbjährigen Haftstrafe im
vergangenen Jahr wurde Kezarovski im Herbst 2013 zwar vorzeitig aus
dem Gefängnis entlassen, steht seither jedoch unter Hausarrest. Am
kommenden Freitag wird ein Berufungsurteil fallen, das seine
neuerliche Inhaftierung zur Folge haben könnte.

„Wir fordern endlich Freiheit für Kezarovski und verlangen, dass
die Behörden die absurden Vorwürfe gegen ihn endlich fallenlassen.
Kezarovski hat nur einen Fehler begangen: Er hat die Behörden in
Mazedonien kritisiert. In unseren Augen ist daran nichts falsch. Im
Gegenteil, wir haben ihn für den Reporter ohne Grenzen-Preis 2014
nominiert“, sagt ROG-Geschäftsführer Christian Mihr in Berlin. „Die
Europäische Union muss den Schutz kritischer Journalisten zur
Bedingung für einen EU-Beitritt Mazedoniens machen.“

„Journalisten in Mazedonien brauchen endlich Sicherheit und
Gesetze, die sie bei ihrer Arbeit schützen und nicht behindern“, sagt
Xhabir Deralla von der mazedonischen Menschenrechtsorganisation Civil
– Center for Freedom.

Tomislav Kezarovski hat im Jahr 2008 als Redakteur der Zeitung
„Reporter 92“ einen Artikel über einen Mordfall verfasst, in dem er
aus einem Polizeiprotokoll zitierte, das ihm zugespielt worden war.
Im Mai 2013, also fünf Jahre später, wurde er überraschend verhaftet.
Die offizielle Begründung lautete, er habe die Identität des damals
geschützten Zeugen veröffentlicht. Der Betreffende befand sich
seinerzeit jedoch noch gar nicht im Zeugenschutzprogramm und hatte
zudem zuvor eingeräumt, unter dem Druck der Polizei falsch ausgesagt
zu haben. Kezarovskis eigener Darstellung zufolge wollte man offenbar
die Identität der Person ausfindig machen, die ihm das
Polizeiprotokoll zugespielt hatte. (http://t1p.de/w4b2)

In ihrem aktuellen, im Oktober 2014 erschienenen
Fortschrittsbericht kritisiert auch die Europäische Union die Lage
der Medien in Mazedonien. (http://t1p.de/hi5l) Sie bemängelt unter
anderem, dass staatliche Institutionen bei unabhängigen Medien so
gut wie keine Anzeigen schalten und kritisiert zudem den Missbrauch
der Verleumdungsgesetze. Außer Acht gelassen werden in dem Bericht
jedoch Einzelschicksale wie jenes von Kezarovski.

In Mazedonien sind unabhängige Medien in den vergangenen Jahren
wiederholt unter massiven Druck geraten. Insgesamt hat sich die Lage
der Pressefreiheit dramatisch verschlechtert. 2009 stand das Land auf
der ROG-Rangliste der Pressefreiheit noch auf Platz 34. Mittlerweile
ist es auf Rang 123 von insgesamt 180 Ländern abgestürzt.

Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Silke Ballweg / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29

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