ROG setzt Spiegelung von Wikileaks nach Berichtenüber Datenleck aus

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Reporter ohne Grenzen (ROG) beherbergt vorerst
keine gespiegelten Seiten der Enthüllungsplattform Wikileaks mehr.
Die am 21. Dezember 2010 von ROG erstellte sogenannte „mirror site“
für Wikileaks wird vorübergehend abgeschaltet, nachdem offenbar
unredigierte Versionen von diplomatischen Depeschen im Internet
verbreitet wurden. Diese enthalten auch Namen von Informanten der
US-amerikanischen Botschaften.

Daraufhin hat Wikileaks, wie die Organisation bekanntgegeben hat,
den kompletten Datensatz jetzt selbst ins Netz gestellt. ROG erklärt
dazu: „Auch wenn bislang nicht bekannt wurde, dass durch diese
Veröffentlichungen Personen in Gefahr gebracht worden sind, dürfen
doch die möglichen Auswirkungen auf das Leben von Informanten wie
Kündigung ihres Arbeitsplatzes, körperliche Übergriffe und andere
Repressionen nicht vernachlässigt werden.“

Nach Sperrungen der Wikileaks-Seite hatte sich ROG im vergangenen
Jahr entschieden, neben anderen Organisationen, die Seiten der
Enthüllungsplattform auf seiner internationalen Homepage www.rsf.org
zu spiegeln. Die Verteidigung des freien Informationsflusses im
Internet und des Ínformantenschutzes seien Voraussetzungen für
investigativen Journalismus, erklärte ROG seinerzeit die
Entscheidung. Da die Sicherheit des Quellenschutzes heute in Frage
gestellt ist, hat sich ROG entschlossen, die Spiegelung auszusetzen,
bis die Sicherheitslücken aufgeklärt und beseitigt sind.

ROG kann und will nicht beurteilen, welche Fehler – menschliche
wie technische – offenbar zur unkontrollierten Veröffentlichung
persönlicher Daten geführt haben, die potentiell Informanten in
Gefahr bringen. „Derzeit müssen wir aber darauf hinweisen, dass
Whistleblower-Plattformen wieder das Vertrauen ihrer potentiellen
Nutzer gewinnen müssen. Jeder Informant muss selbst entscheiden,
welchem Medium er sein Material anvertraut und das Risiko für sich
und gegebenenfalls zu schützende Personen einschätzen“, so ROG.
Entscheidend ist aus Sicht von ROG, dass die etablierten
journalistischen Standards des Informantenschutzes eingehalten werden
– gleich, ob von klassischen Medien oder von Online-Plattformen.

ROG wird auf seiner internationalen Website weiterhin über die
Veröffentlichung von Dokumenten, die für das Thema Pressefreiheit
relevant sind und über neue Entwicklungen, die die Wikileaks-Seite
betreffen, informieren.

ROG weist darauf hin, dass Wikileaks in der Vergangenheit
wertvolle Arbeit geleistet hat, um die internationale Öffentlichkeit
mit wichtigen Informationen zu versorgen. Insbesondere Informationen
über ernsthafte Verletzungen von Menschenrechten und Beschränkungen
bürgerlicher Freiheiten unter dem ehemaligen US-Präsidenten George
Bush im Namen des Kriegs gegen den Terror sind auf diese Weise ans
Licht gekommen.

Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Anja Viohl
Pressearbeit
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
T: +49 (0)30 202 15 10 – 16
F: +49 (0)30 202 15 10 – 29

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