stern: Streit um die Plakate – AfD geht mit zwei verschiedenen Kampagnen in den Bundestagswahlkampf

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Die AfD zieht nach kontroversen Diskussionen mit
zwei unterschiedlichen Kampagnen in den Bundestagswahlkampf. Das geht
aus einer Mail des Bundesgeschäftsführers Hans-Holger Malcomeß
hervor, die dem stern vorliegt. Die zentrale Kampagne des
Bundesvorstands, die zuerst dem Bundeskonvent der AfD vorgestellt und
vergangenen Freitag in der Telefonkonferenz der Landesvorsitzenden
kritisch diskutiert wurde, ist demnach nicht bindend. Auch die
AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel zeigte sich nach
stern-Informationen wenig überzeugt von der Kampagne des
Bundesvorstands, die auf den Claim „Trau Dich, Deutschland!“
vertraut.

Dem stern liegt die 74-seitige Präsentation der zentralen Kampagne
des Bundesvorstands zur Bundestagswahl vor. Die Analyse darin liest
sich schonungslos. „Die AfD hat kein Image-Problem…“ steht da in
großen Buchstaben und auf der folgenden Seite, noch dicker gedruckt:
„…sie hat ein Riesen-Image-Problem.“ Ein Seite weiter ist zu lesen:
„Sie ist das Gegenteil von dem, was sich in der Werbung ein happy
product nennt.“

Die Kampagnenmacher diagnostizieren der AfD, dass sie „keinen
Appeal an die moderne, weibliche Erlebniswelt“ habe. Im Fazit der
Präsentation wird die AfD als „unhappy product“ beschrieben, als
„unattraktiv“ und „obsolet“.

Das soll die Kampagne ändern. „Der Köder muss den Fischen
schmecken, nicht dem Fischer!“, schreiben die Macher, und: „Es muss
sich gut anfühlen, sonst weicht der politische Konsument einem
Diskurs aus. Die Anknüpfpunkte zwischen ihren Zielen und der
aktuellen Lebenswelt der Menschen müssen subtil und nicht mit dem
–blauen Holzhammer– gesetzt werden.“

Vorbild sind Imagekampagnen wie jene der RTL-Sendung „Bauer sucht
Frau“, die in der Präsentation auch gezeigt wird. Wörtlich heißt es:
„Wir setzten optisch auf die Buntheit z.B. von populären TV-Formaten
wie –Bauer sucht Frau–. Wir kommen wie eine Lifestyle-Kampagne daher,
präsentieren uns bewusst harmlos, um die Blockade der bürgerlichen
Kreise zu überwinden.“

Bei den Plakaten, die die AfD teilweise schon gedruckt hat, ist
ein neuer Ton erkennbar. „Neue Deutsche?– Machen wir selber“ steht
unter dem Foto einer jungen Frau mit halbnacktem Babybauch. Das Foto
eines Ferkels wird mit den Worten kommentiert: „Der Islam?– Passt
nicht zu unserer Küche“. Über dem Foto von drei Weinköniginnen, die
in Tracht in einem Weinberg stehen und die Gläser erheben, ist zu
lesen: „–Burka?– Ich steh mehr auf Burgunder“.

Die AfD arbeitet mit Motiven von Kindern in Lederhosen, von
Alphörnern, von einer Euromünze. Und sie hat ein „spezielles
Sommerplakat“ entworfen, das „Ostsee-Badestrand-Motiv“. Es zeigt zwei
junge Frauen von hinten, die sich in knappen Höschen in Richtung Meer
bewegen, dazu den Satz: „–Burkas?– Wir steh–n auf Bikinis“. Die
Partei, heißt es in der Präsentation, traue sich damit, „netter zu
sein, sympathischer, menschlicher, weiblicher, aber nicht weicher“.

Als Alternative zur Kampagne des Bundesvorstands dient nun laut
AfD-Bundesgeschäftsführer Malcomeß eine Plakatkampagne der
Bayern-AfD. AfD-Landesverbände, die sich für die Kampagne der
Bayern-AfD entscheiden, müssen allerdings tiefer in die Tasche
greifen. „In diesen Fällen entfällt nach derzeitiger Beschlusslage
des Bundesvorstandes der 20-Prozent-Zuschuss des Bundesverbandes zu
den Druckkosten“, schreibt Bundesgeschäftsführer Malcomeß.

Diese Vorabmeldung ist nur mit der Quellenangabe stern zur
Veröffentlichung frei.

Pressekontakt:
Tamara Kieserg, Gruner + Jahr Unternehmenskommunikation,
Telefon 040 – 3703 5550, kieserg.tamara@guj.de

Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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