WAZ: Erstes Signal für die Bahn in NRW. Kommentar von Dietmar Seher

Die Bahn hat wohl ein bisschen „heiße Sanierung“
betrieben: Das Dach des Duisburger Hauptbahnhofs rostete Jahre vor
sich hin, ohne dass sie eingriff. Jetzt ist es so marode, dass die
Sicherheit auf Dauer nicht garantiert und der Totalabriss nötig wird.
Zwei Dinge sind da spannend: Wie sich der Staatskonzern im Detail mit
dem Denkmalschutz einigen kann – und wie er die Bauzeit bewältigt,
die im Nadelöhr Duisburg massive Beeinträchtigungen des
Nord-Süd-Schienenverkehrs für das ganze Land bedeutet. Dabei ist die
120 Millionen Euro große Investition zumindest ein allererstes,
positives Signal für den Bahnverkehr in NRW. Wir sind hier bei den
Milliardensummen, die über die Republik in die Schieneninfrastruktur
verteilt werden, offenbar nicht mehr ganz abgehängt. Der
Nachholbedarf ist hoch. Stuttgart 21 wird gebaut. Durch teure
Thüringer Tunnel zieht sich bald die Schnellstrecke Berlin-München.
Der Hauptstadt-Bahnhof steht als Glaspalast neben dem Kanzleramt. Nur
Deutschlands größter Ballungsraum, das Ruhrgebiet, muss verzweifelt
um Geld für die Schnellbahnverbindung Rhein-Ruhr-Express kämpfen, die
seine zugestauten Straßen deutlich entlasten würde. Höchste Zeit,
dass dieses Trauerspiel zu Ende geht.

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