Westdeutsche Zeitung: kommentar wz

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Rolf Eckers

rolf.eckers@wz-plus.de Für viele Pendler ist das heute ein
schrecklicher Morgen. Zwar streiken Lokführer, Zugbegleiter und
anderes Bahnpersonal nur bis 6 Uhr. Aber die Folgen dürften den
Berufsverkehr weitgehend lahmlegen. Dass die Bahnmitarbeiter nicht
zur Arbeit erscheinen, ist ihr gutes Recht. Doch der Ärger über
ausgefallene S-Bahnen und Regionalzüge wäre nicht ganz so heftig,
wenn klar wäre, dass es nur um bessere Arbeitsbedingungen für die
Lokführer ginge. Doch dem ist nicht so. Claus Weselsky, Chef der
Gewerkschaft der Lokführer (GDL), will mehr. Er ringt vor allem um
seine Macht im Bahnkonzern. Weselsky möchte den Einfluss der GDL auch
auf das restliche Bahnpersonal ausdehnen. Dumm nur, dass das zumeist
schon in der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
organisiert ist. Und die kommentar Bundesweiter Streik der Lokführer
und Zugbegleiter

Gewerkschaft entmachtet sich selbst

Gräben zwischen beiden Gewerkschaften innerhalb des Bahn-Konzerns
scheinen tiefer denn je. Das Management lehnt sich unterdessen
ziemlich entspannt zurück. Der Vorstand hat zwei Prozent mehr Geld
geboten – wohl wissend, dass die GDL dies angesichts ihrer Forderung
von fünf Prozent mehr Geld plus verkürzter Wochenarbeitszeit nur
ablehnen kann. Die Bahnspitze sieht, dass Weselsky mit seiner starren
Haltung in die Sackgasse rennt. Denn die Bundesregierung bastelt
emsig an einem Gesetz zur sogenannten Tarifeinheit. Vermutlich läuft
es darauf hinaus, dass Spartengewerkschaften dann nicht mehr streiken
dürfen. Die größeren mit mehr Mitgliedern in einem Unternehmen hätten
dann den Vorrang. Weselsky arbeitet also an seiner eigenen
Entmachtung. Und er trifft Piloten und Ärzte gleich mit. Dort gibt es
ebenfalls Mini-Gewerkschaften, die Gefahr laufen, ihr Streikrecht zu
verlieren. Aus Sicht der Arbeitgeber entwickelt sich die Sache
bestens. Tarifstreit lässt sich leichter austragen, wenn es auf der
anderen Seite nur noch einen ernsthaften Ansprechpartner gibt. Auch
die meisten Bahnfahrer und Lufthansa-Kunden begrüßen es, wenn winzige
Gewerkschaften nicht mehr die Macht haben, mit überzogenen
Forderungen maximalen Ärger auszulösen. Die Altersgeld-Wünsche der
Piloten sind noch bestens in unschöner Erinnerung.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
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