Westdeutsche Zeitung: Kommentar zum gebrochenen Genom-Tabu: Verschobene Grenzen (Von Olaf Kupfer)

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Über Tabubrüche diskutiert unsere Gesellschaft
immer öfter, weil immer öfter gemacht wird, was gemacht werden kann.
In Vorzeiten zum Beispiel, als man menschliche Arbeitsplätze durch
Computer zu ersetzen begann. Aktuell, wenn man über grundgesetzlich
vereinbarte Asylrechts-Paragrafen neu verhandeln will. Und diabolisch
ausgereizt, wenn der Genozid verharmlost oder gar verleugnet wird.
Solche Tabubrüche mögen Empörung auslösen, aber der Geist ist dann
aus der Flasche, die Grenze des Sag- und Machbaren schon verschoben.
Wie auch in diesem Fall von Lulu und Nana, der offenbar das vollendet
hat, worauf Forscher – also Menschen, die von Berufs wegen Grenzen
verschieben – den ethisch begenzten Menschen seit Jahren vorbereiten
(wollen): Dass Genom-Editierung möglich und ein Designer-Baby keine
Science Fiction mehr sein muss. Aber: Es gibt aus gutem Grund keinen
gesellschaftlichen Konsens darüber, dass hier und dort erlaubte
Forschung an Embryonen durch Einsetzen zu Leben werden kann, dessen
Fortlauf ungewiss bleibt. Das aufzubrechen ist das Ende
verantwortlich arbeitender Wissenschaft.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
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