Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Nordkorea

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Der Spielraum für eine Fehleinschätzung der
Absichten Nordkoreas liegt bei Null. Das Regime verfügt über
Raketentechnologie, hat bereits drei Atombomben gezündet und droht
den USA nun ausdrücklich mit deren Einsatz. Pjöngjang warnt
ausländische Botschaften, es könne bald nicht mehr für deren
Sicherheit garantieren und verlegt Mittelstreckenraketen an die
Küste. Egal, welche Motive den unberechenbaren Kim Jong Un antreiben:
Es wäre unverantwortlich, diese Drohungen nicht ernst zu nehmen. Erst
recht nach der Erfahrung des 11. September. Präsident Barack Obama
beweist bisher das richtige Augenmaß. Um nicht unnötig an dem
Pulverfass zu zündeln, sagen die USA den lange geplanten Test einer
Interkontinental-Rakete ab. Gleichzeitig demonstriert Washington
unmissverständlich Stärke, indem es das Raketenabwehrsystem THAAD auf
der Pazifikinsel Guam verlegt. Sehr viel schwieriger ist die Aufgabe,
langfristig eine Strategie zur Eindämmung des stalinistischen Regimes
zu finden. Mit jedem weiteren Jahr wachsen die militärischen
Kapazitäten des Nordens, der sich bisher weder durch Verhandlungen
noch Sanktionen von seinem Atom-Kurs abbringen ließ. Es ist nur eine
Frage der Zeit, wann Pjöngjang über eine steuerbare
Interkontinental-Rakete verfügt, die einen Nuklearsprengkopf Richtung
amerikanisches Festland befördern kann. Bisher haben die USA kein
Rezept im Umgang mit den atomar bewaffneten Steinzeit-Kommunisten
gefunden. Tatsächlich beschleunigte die unter George W. Bush
verfolgte Nationale Sicherheitsstrategie die atomare Bewaffnung der
so genannten »Achse des Bösen«. Die Invasion des Irak lehrte andere
Schurken, sich so schnell wie möglich mit einer Atombombe gegen das
Schicksal Saddam Husseins zu immunisieren. Bushs Nachfolger Obama
versuchte es in seiner Amtszeit mit einer Mischung aus Sanktionen und
Abstrafen durch Nichtbeachtung. Er erntete dafür die schrillsten
Drohungen der Nordkoreaner seit Gedenken. Ein Schrei nach
Aufmerksamkeit vielleicht, aber einer, der sich nicht länger
ignorieren lässt. Der kriegsmüden Supermacht bleibt nichts anderes
übrig, als dem Jung-Diktator ein klares Signal der Abschreckung zu
senden. Genau darauf zielen die Überflüge der B2- und B52-Bomber, der
F-22-Kampfjets sowie die Verlegung des schwimmenden Radars und der
beiden mit Abfangraketen ausgestatteten Zerstörer ab. Das Konzept der
»flexible response« (zu Deutsch: flexible Erwiderung) verhinderte im
Kalten Krieg einen heißen Konflikt und verspricht auch heute
gegenüber Akteuren Wirkung, die nicht von selbstmörderischen Gedanken
getrieben werden. Von den wenigen vorhandenen Alternativen im Umgang
mit Nordkorea scheint die Logik der Abschreckung leider die einzige
zu sein, die das Regime eindämmen kann.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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