Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Gedenkgottesdienst

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Wenn nichts hilft, hilft es doch, sich die
eigene Hilflosigkeit einzugestehen. Es ist gut, selbst der
Sprachlosigkeit noch eine Stimme zu geben. Wie gut, das hat dieser so
bewegende wie berührende Gottesdienst bewiesen.

Es ist gut und tröstlich, noch einmal innezuhalten und der Toten
der Germanwings-Katastrophe zu gedenken. Sicher, wir müssen das
Unbegreifliche weiter aushalten – jetzt und immerfort. Nichts lässt
sich ungeschehen machen. Dreieinhalb Wochen erst liegt das unfassbare
Geschehen zurück. Doch merken viele von uns, wie der Alltag und sein
rasendes Tempo wieder Besitz von uns ergreifen.

Es ist gut, dass sich die Vertreter der Kirchen durchgesetzt
haben. 150 Kerzen brannten im Dom – auch eine für den Co-Piloten.
Denn gedacht wurde an diesem Tag eben nicht bloß in den Kategorien
von Täter und Opfern, gedacht wurde der 150 Menschen, die in den
französischen Alpen ihr Leben verloren haben. Ja, es war 149-facher
Mord, den Andreas Lubitz begangen hat, doch hinterlässt auch er eine
Familie in tiefer Trauer, in Entsetzen und in Ratlosigkeit.

Es ist gut, sich zu vergewissern, dass so viele Menschen in
Nordrhein-Westfalen, in Deutschland, in Europa, ja in der ganzen Welt
die Ohnmacht der Angehörigen, der Freunde, Bekannten Kollegen und
Mitschüler aller Opfer teilen – und ihre Wut. Über Länder und
Sprachen, über Religionen und Konfessionen hinweg. Zusammenrücken, da
sein, Anteil nehmen. Gemeinsam schweigen und gemeinsam weinen – alles
Zeichen, die den Hinterbliebenen zeigen: Ihr seid nicht allein.

Es ist gut, dass die Leistung jener gewürdigt wurde, die in den
vergangenen Wochen über sich hinausgewachsen sind. Die Polizisten,
die Bergungskräfte, die Notfallseelsorger und all jene, die »das
Viele getan haben, was getan werden musste«, wie es Annette Kurschus,
Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, in ihrer wunderbar
einfühlsamen Predigt gesagt hat. Menschen, die fortan leben müssen
mit jenen Bildern und Momenten, die sie wohl nie vergessen werden.

Es ist sehr gut und wohl auch dringend notwendig, das Wichtige vom
weniger Wichtigen zu unterscheiden. Erst recht in einer Woche, da die
bloße Ankündigung eines Trainerabgangs die Schlagzeilen vielerorts
mehr bestimmt hat als der Tod – nein, das erbärmliche Absaufen von
400 Flüchtlingen im Mittelmeer.

Gewiss, für alle Unbeteiligten geht das Leben irgendwann immer
einfach weiter. Der einzelne Mensch kann nicht alles Leid der Welt
tragen. Für diejenigen aber, die die Tragödie angeht, ist nichts mehr
wie es war. Die Angehörigen der Opfer von Flug 4U9525 müssen ihr
Leben neu beginnen. Das ist ein leidvoller und mühsamer Weg. Man
wünscht ihnen von Herzen Kraft für diesen Weg.

Eine Kraft, wie sie das Gedenken im Dom ausgestrahlt hat. Kraft
und Zuversicht, dass selbst in der Stunde der Hoffnungslosigkeit aus
der Gemeinschaft heraus neue Hoffnung wachsen kann.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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