Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Steinkohle-Aus

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An diesem Freitag endet der Steinkohle-Bergbau
in Deutschland. Auf der Schachtanlage Prosper-Haniel soll
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das symbolisch letzte
deutsche Kohlestück erhalten. Dann ist endgültig Schicht im Schacht!
Es ist ein historisches Datum: Der Bergbau und das Ruhrgebiet – diese
Einheit hat einen wahren Mythos begründet. Erst die Kohle hatte
Europas Industrialisierung ermöglicht. Und nach dem Zweiten Weltkrieg
war sie der Energieträger für das deutsche Wirtschaftswunder. »Dein
Grubengold hat uns wieder hochgeholt«, singt Herbert Grönemeyer in
seiner legendären Hymne auf seine Heimatstadt Bochum. Ein Satz wie
eine Zeitreise in die 1950er Jahre, als fast 500.000 Menschen im
Ruhrbergbau arbeiteten. Doch es blieb nicht so. Seit vielen Jahren
schon kann Kohle in Deutschland nur noch dank Subventionen in
Milliardenhöhe gefördert werden. Doch auch wenn jetzt die letzten
Zechen schließen, wird hierzulande weiter Steinkohle gebraucht.
Stahlkocher und Stromerzeuger setzen fortan komplett auf Importkohle,
die über abertausende Kilometer herangeschafft werden muss. Das sehen
nicht nur die heimischen Bergleute kritisch. Die industriepolitische
Zeitenwende ist da, die ökologische aber steht noch aus. Und was
bedeutet das alles ökonomisch? Im Ruhgebiet sind sichere und gut
bezahlte Arbeitsplätze rar. Der Strukturwandel bleibt eine
Herkulesaufgabe für NRW. Unsere Republik braucht nicht weniger als
einen neuen Gründergeist. Neue Schlüsselindustrien, die den Weg in
die Zukunft weisen und uns international wettbewerbsfähig halten.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz lauten hier die
Stichworte. Nicht wenige Menschen fühlen sich jedoch von den
Umwälzungen in der Arbeitswelt, ja des gesamten Lebens überfordert.
Doch Angst vor der Veränderung lähmt nur. Was wir brauchen, sind mehr
Zukunftsoptimismus und den Mut zu Visionen. Es mag bequem sein, sich
über Flugtaxis lustig zu machen, eine solche Haltung aber ist
wohlfeil. Wer eine Vorstellung davon bekommen will, wie groß
Deutschlands Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung ist, der muss
nicht in ferne Länder reisen – ein Kurztrip in Dänemarks Hauptstadt
Kopenhagen reicht da völlig. Die Maloche im Bergbau war hart:
Dunkelheit, Staub, Dreck und das alles tief unter der Erde – die
Anstrengung stand den Kumpeln ins Gesicht geschrieben. Die
Herausforderungen der neuen Welt sind andere – aber sie sind ganz
gewiss nicht kleiner. Der Algorithmus ist das Bergwerk, die Daten
sind das Gold unserer Tage. Krempeln wir also die Ärmel auf! Wir
müssen uns anstrengen und wir müssen alles aus uns herausholen – so
wie es die Bergleute über viele Jahrzehnte getan haben. Glück auf,
Deutschland!

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Scholz Stephan
Telefon: 0521 585-261
st_scholz@westfalen-blatt.de

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