Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur CDU-Ministerriege

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In Sachen Personalauswahl hat Kanzlerin Angela
Merkel ihren Kritikern jeden Wind aus den Segeln genommen. Erst der
Coup mit Annegret Kramp-Karrenbauer als Generalsekretärin, jetzt
das Newcomer-Quartett in der CDU-Ministerriege. Die Zahl der
vertrauten, für manchen auch verbrauchten Gesichter hingegen ist
auf ein Minimum geschrumpft. Die Botschaft ist klar: Die CDU ist
doch mehr als die Vorsitzende allein, auch Querköpfe sind nicht
chancenlos, und um die Zukunft soll keinem Christdemokraten bange
sein. Ihr Plan dürfte aufgehen und die Zustimmung der 1001
Delegierten heute auf dem Parteitag in Berlin groß sein. Zugleich
ist das Rennen um die Merkel-Nachfolge eröffnet. Zwischen der
Merkel-Vertrauten »AKK« und dem Merkel-Kontrahenten Spahn könnte die
Spannbreite kaum größer sein. Mit diesem ungleichen Duo ist eine
ganze Politikergeneration der 30- bis knapp 50-Jährigen
aufgefordert, zu zeigen, was sie kann. Erbhöfe soll es dabei keine
geben und Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Gut möglich,
dass am Ende jemand an Angela Merkels Stelle rückt, den heute
niemand dafür auf dem Zettel hat. Wie es ja bei ihr selbst vor
fast 20 Jahren auch der Fall war. Stimmt die SPD-Basis der Bildung
einer Großen Koalition zu, dürfte der Erneuerungsprozess der CDU
rasch in die nächste Phase treten. Dann müssen sich vor allem
jene beweisen, die bislang schon mit bloßer Kritik an der
Kanzlerin Schlagzeilen machen konnten. Insbesondere auf Spahn lastet
ein enormer Erwartungsdruck. Man darf gespannt sein, wie er als
Gesundheitsminister agiert. Ruhm und Ehre sind in diesem schwierigen
Amt jedenfalls alles andere als sicher. Auch Annegret
Kramp-Karrenbauer ist neu herausgefordert. Für die Zukunft der CDU
dürfte ihr Wirken als Generalsekretärin noch existentieller sein als
das eines Ministers. Und vorerst ist unklar, wohin die Partei
will. Zuletzt hatte sich die CDU zumeist damit begnügt, die
Ideen der jeweiligen Koalitionspartner einzuhegen und ansonsten auf
das zu reagieren, was das Weltgeschehen auf die Tagesordnung setzt.
Angela Merkel hat diese Methode größter programmatischer
Flexibilität sogar regelrecht perfektioniert und damit oft Erfolg
gehabt – sieht man mal von der Flüchtlingspolitik ab. Ihrer Partei
aber hat dieser Kurs der Beliebigkeit viele Zumutungen beschert. Nun
scheint die Kanzlerin bereit, sich selbst etwas zuzumuten. Mal sehen,
was ihre Möchtegern-Nachfolger daraus machen.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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