Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur neuen CDU-Generalsekretärin

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Da sage noch einer, nach zwölf Jahren im
Kanzleramt sei Angela Merkel nicht mehr für Überraschungen gut. Mit
der Nominierung von Annegret Kramp-Karrenbauer als neuer
CDU-Generalsekretärin ist der Kanzlerin ein echter Paukenschlag
gelungen. Ob es die jüngste Kritik am Koalitionsvertrag und der
möglichen Kabinettsliste war, die Merkels Entscheidung beflügelt hat,
mag dahingestellt sein. In jedem Fall ist »AKK«, wie die
saarländische Regierungschefin ob ihres sperrigen Namens gern genannt
wird, ein politisches Schwergewicht in der CDU. Und der Wechsel einer
erfolgreichen Ministerpräsidentin, die erst vor einem knappen Jahr in
ihrem Amt bestätigt wurde, auf den Posten der Generalsekretärin
stellt ein Novum dar. Angela Merkel hat verstanden und sendet ein
Signal an ihre Partei. Dafür wurde es allerdings auch höchste Zeit.
Unter Annegret Kramp-Karrenbauer könnte das Konrad-Adenauer-Haus
tatsächlich wieder mehr werden als die bloße Filiale des Kanzleramts.
Ob aus Annegret Kramp-Karrenbauer noch mehr wird, ist eine andere
Frage. Die Parallelen zu Angela Merkels Werdegang liegen auf der
Hand, und die Chance ist gewiss da. Vorgezeichnet aber ist der Weg
ins Kanzleramt nicht, in der Politik sind und bleiben persönliche
Karrieren schlicht unplanbar. Erst recht in Zeiten wie diesen.
Annegret Kramp-Karrenbauer erwartet nun ein gewaltiges Stück Arbeit.
Es wird nicht einfach werden, den innerparteilichen
Diskussionsprozess neu zu beleben und der CDU das Gefühl zu geben,
mehr zu sein als die Partei der Kanzlerin. Inhaltliche Profilierung
tut Not – die neue Generalsekretärin muss diese jetzt organisieren.
Ihre Erfahrung als Regierungschefin wird ihr dabei gewiss helfen,
ohne Risiko ist das Unterfangen dennoch nicht. Schließlich wechselt
Annegret Kramp-Karrenbauer ohne Bundestagsmandat nach Berlin –
vorerst bleibt ihr nur das Parteiamt. Auch das zeigt: Da beweist
jemand Mut. Mehr Mut als es zur Übernahme eines Ministerpostens
bedurft hätte. Die 55-Jährige will sich beweisen und nichts »vererbt«
bekommen. Ein erfreuliches Zeichen für die politische Kultur unseres
Landes, die zuletzt doch eine ganze Reihe an Tiefschlägen zu
verkraften hatte. Ein Anfang ist gemacht. Wie es nun mit der CDU
weitergeht, wird auch davon abhängen, welche Minister in ein viertes
Kabinett Merkel berufen werden. Die Kanzlerin täte gut daran, den
eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. Spätestens nächsten
Montag, wenn die CDU-Delegierten über den Koalitionsvertrag
abstimmen, werden wir wissen, wie ernst es die Vorsitzende mit der
Erneuerung ihrer Partei meint. Denn eine Generalsekretärin Annegret
Kramp-Karrenbauer allein wird nicht reichen, um die CDU auf die Zeit
nach Angela Merkel vorzubereiten.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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