Allg. Zeitung Mainz: Der Neuanfang / Kommentar von Friedrich Roeingh zu Merkels Abgang

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Aus, vorbei. Mit der Ankündigung Angela Merkels, den
Parteivorsitz abzugeben, sind auch ihre Tage als Kanzlerin gezählt.
Politik ist im Kern ein undankbares Geschäft. Diese Undankbarkeit
aber gehört untrennbar zum Funktionieren dieses Geschäfts dazu. Wenn
die Zeiten über eine Führungspersönlichkeit hinweggehen, gibt es
keine Rücksichtnahmen mehr auf persönliche oder historische
Verdienste. Wenn sich eine Wechselstimmung im Land so gewaltig Bahn
bricht wie in den bayerischen und hessischen Wahlergebnissen, dann
ist es Aus mit der Selbstbestimmung eines Abgangs – den Merkel zum
Ende ihrer dritten Amtszeit versäumt hat.Weiterzumachen, ihr
trotziger Versuch, eine gespaltene Union weiter anführen zu wollen,
war ihr größter politischer Fehler. Ob sie persönlicher Ehrgeiz dazu
verleitete, die Flüchtlingskrise zu einem besseren Ende führen zu
wollen, oder die trügerische Wahrnehmung, auf europäischer Ebene
unentbehrlich zu sein: unerheblich. Merkel hat das tragische Momentum
auf ihrer Seite. Mit der Ankündigung ihres Rückzugs hat sie
wenigstens ihre Würde zurückgewonnen. Doch ihre Verdienste werden
erst angemessen gewürdigt, wenn sich der durcheinander geratene
politische Laden demnächst neu sortiert hat. Zu dieser Neusortierung
gehört, dass alle Kandidaten, die Merkels Segen haben, auf verlorenem
Posten stehen. Das gilt für Annegret Kramp-Karrenbauer, die sich von
ihr hat in die Pflicht nehmen lassen, wie für Armin Laschet, der in
erster Linie seine nordrhein-westfälische Hausmacht demonstrieren
will. Die CDU braucht jetzt einen Parteivorsitzenden, der für das
Ende der Ära Merkel steht. Und sie wird auch keinen anderen wählen.
Die Partei weiß nur zu gut, dass sie dann alle Chancen hat, nach
einer nicht mehr abzuwendenden Neuwahl wieder für lange Zeit den
Kanzler zu stellen. Wenn Friedrich Merz tatsächlich antritt, hat Jens
Spahn keine Chance gegen ihn. Merz wäre nicht nur die richtige Figur,
das konservative Profil der Union wieder zu stärken (und so auch die
Nach-Seehofer-CSU zurück ins Boot zu holen). Führungsqualitäten hat
er bereits bewiesen, internationale Erfahrung und
Wirtschaftskompetenz bringt er zudem mit. Ob es einem neuen,
stärkeren Kanzler mit einer dann wieder arbeitsfähigen Regierung auch
gelingen kann, die Krise der liberalen Demokratie wirksam
auszubremsen, ist allerdings alles andere als ausgemacht.

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