BERLINER MORGENPOST: Ein buntes Trio neben Steinbrück – Daniel Friedrich Sturm über den Kanzlerkandidaten und das SPD-Kompetenzteam

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Ungewohnt schmallippig gab sich Peer Steinbrück in
den vergangenen Wochen, sobald die Rede auf sein Kompetenzteam kam.
Paritätisch mit Männern und Frauen werde es besetzt, ließ er sich
allenfalls entlocken, und noch etwas fügte der SPD-Kanzlerkandidat
hinzu: Nicht jedes Teammitglied werde anschließend Minister, weshalb
er den etwas angestaubten Begriff des „Schattenkabinetts“ vermeidet.
Bei der Frauenriege muss Steinbrück – Stichwort: paritätische
Besetzung – noch ein wenig nacharbeiten, doch die nächsten vermutlich
sieben Namen werden wohl nicht mehr allzu lange auf sich warten
lassen. Die ersten drei Mitglieder seines Teams hat er aber
gewissermaßen doch paritätisch besetzt: Die bislang völlig unbekannte
Gesche Joost soll junge Wähler(innen) ansprechen, die Generation
Internet und die akademischen Milieus. Sie ist nicht zuletzt ein
interessanter Kopf für die Wählerinnen und Wähler in Berlin. Sollte
Joost als mögliche Ministerin in Frage kommen, könnte sie auf der
politischen Bühne eine ganz eigene Rolle spielen. Das Interesse an
einer frischen, jungen Frau, die bislang außerhalb der klassischen
Politik tätig war, ist ja durchaus vorhanden. Der umtriebige Thomas
Oppermann kann das Thema innere Sicherheit seriös und, wenn es darauf
ankommt, mit harter Hand vertreten. Er verkörpert die SPD in ihrer
Mischung aus Moderne und Konservatismus. Der krachlederne
Gewerkschaftsboss Klaus Wiesehügel wiederum dient dazu, Unzufriedene,
Wähler der Linken und Kritiker von Agenda 2010 und Rente mit 67 an
die SPD zu binden. Im Grunde also hat Steinbrück eine Art „Troika“
ernannt, viel bunter und unterschiedlicher als jene „Troika“ mit
Gabriel und Steinmeier. So neugierig die interessant anmutende Gesche
Joost macht, so klug Thomas Oppermann wohl jedes Ressort führen
würde, so wirft doch die Berufung Wiesehügels Fragen auf: Gewiss, die
SPD muss auf die – von der Bundeskanzlerin umgarnten – Gewerkschaften
zugehen, die eigene Kernklientel ansprechen und für den Wahlkampf
motivieren. Wieso Steinbrück aber ausgerechnet einen dezidierten
Kritiker des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder hofiert, das bleibt
sein Geheimnis. Geschichtsvergessenheit schwingt dabei mit:
Wiesehügel hatte vor zehn Jahren die SPD-Bundestagsabgeordneten dazu
aufgerufen, der Agenda 2010 im Bundestag ihre Zustimmung zu
verweigern. Damit sägte er an Gerhard Schröders Stuhl als Kanzler und
ebnete mindestens indirekt Angela Merkel den Weg an die Macht.
Ausgerechnet dieser Herr Wiesehügel soll nun für die Kernthemen
Arbeit und Soziales einer der wichtigsten Mitstreiter des
Kanzlerkandidaten sein. In den verbleibenden 135 Tagen bis zur
Bundestagswahl werden Peer Steinbrück und Klaus Wiesehügel wohl
behaupten, dass sie miteinander regieren wollen. So recht mag man
ihnen dies nicht abnehmen, weder dem einen noch dem anderen.
Erfreulich indes ist die Vermutung, dass man nach dem 22.September
von Oppermann mehr hören wird als von Wiesehügel.

Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de

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