Erfolgreiche Bürgerbeteiligung am Görlitzer Ufer in Berlin: Deutsche Umwelthilfe fordert von Kommunen mehr Mut zur Schaffung lebenswerter Plätze und Straßen

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Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert Kommunen zu mehr Mut und Experimentierfreudigkeit auf, um autogerechte Städte endlich in lebenswerte Räume umzuwandeln. Deshalb hat die DUH an der sogenannten Realbeteiligung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg und der Technischen Universität (TU) vom 2. bis 6. September mitgewirkt. Berlinerinnen und Berliner konnten die Zukunft für das bislang vollkommen zugeparkte Görlitzer Ufer zwischen Görlitzer Park und Landwehrkanal mitgestalten.

Dazu Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Die Politik muss in Sachen Verkehr umsteuern – und zwar schnell und grundlegend! Verkehrspolitik muss die Menschen in den Blick nehmen und nicht das Auto. Jede und jeder hat ein Recht auf Mobilität. Sie muss aber klimafreundlich gestaltet sein. Wir brauchen dringend halb so viele Autos und eine Verdopplung der Radwege. Durch autofreie Zonen – wie am Görlitzer Ufer während der letzten vier Tage – kann man diesem Ziel näherkommen. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zeigt ganz Deutschland was möglich ist, wenn der Wille und der Mut zur Veränderung vorhanden sind.“

Im persönlichen Austausch konnten die Bürgerinnen und Bürger mit dem Bezirk auf Augenhöhe diskutieren, wie die Straße künftig gestaltet werden soll. Zu diesem Zweck wurde das Ufer für Autos gesperrt, um die Mobilitätswende erlebbar zu machen und Interessierten das Angebot für Gespräche und Austausch zu geben. Informationen zur Verkehrswende, und moderierte Beteiligungsformate und Diskussionen rundeten den Prozess ab. Hierbei wurde schnell klar, dass auch die Menschen vor Ort sich nach mehr Grünflächen und Bäumen sowie Platz zum Spazieren und Radfahren sehnen.

Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat in den letzten beiden Jahren viel Anerkennung und Aufmerksamkeit für seine innovative Verkehrspolitik bekommen. Die Pop-Up-Radwege sind dabei die bekannteste Maßnahme. Auch Klimastraßen, Fußgängerzonen und Spielstraßen schaffen immer mehr Platz für aktive Mobilität und Menschen.

Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann meint dazu: „Wir haben in unserem Bezirk in den vergangenen Jahren viele Verkehrswendeprojekte angestoßen und Maßnahmen für mehr Flächengerechtigkeit umgesetzt: Pop-Up-Radwege, Spielstraßen, Xhain-Terrassen, neue Fahrradstraßen und Fußgängerzonen. Befragungs- und Beteiligungsergebnisse zeigen uns, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger unser Vorgehen unterstützt und sich mehr Mut zur Verkehrswende und eine schnellere Umsetzung wünscht. Mit unserem agilen Vorgehen können Umgestaltungen der Infrastruktur kurzfristig erfolgen und stufenweise ausgebaut und verstetigt werden, begleitet von einer Bürgerbeteiligung über die genaue Ausgestaltung. Die Frage ist dabei nicht, ob wir die Mobilitätswende voranbringen, sondern wie wir sie im Detail umsetzen.“

Mit 1,23 Millionen Pkw liegt die Hauptstadt verglichen mit anderen Bundesländern beim Pkw-Bestand im unteren Drittel. Trotzdem beanspruchen Autos in der Hauptstadt eine Fläche von 78 Quadratkilometern. Davon werden allein 25 Quadratkilometer nur für das Parken benötigt. Das sind 19 Prozent der gesamten Verkehrsfläche Berlins, nur um Autos abzustellen und 58 Prozent, die insgesamt dem Auto zur Verfügung gestellt werden.

Oliver Schwedes von der TU Berlin: „Die Menschen verstehen, dass es nicht mehr so weitergehen kann wie bisher und wollen von den positiven Effekten der Mobilitätswende profitieren. Aber dafür müssen sie von den einzelnen Maßnahmen auch überzeugt werden. Die hier praktizierte Realbeteiligung ist dabei der richtige Weg, um allen Betroffenen zu zeigen, wie der öffentliche Raum künftig aussehen könnte und ihnen ein niederschwelliges Angebot zum Mitmachen zu unterbreiten. Die Neue Verkehrsplanung sieht den Menschen als Ausgangspunkt der Planung und die Anwohner als Experten für die Situation vor Ort. Durch deren Einbeziehung wird die Planung verbessert und beschleunigt.“

Hintergrund:

Die DUH arbeitet seit Oktober 2020 an dem Projekt „Pop-up Republik: Mobilitätswende Berlin“, das vom internationalen Städtebündnis ICLEI im Rahmen des ICLEI Action Funds finanziert wird. Ziel des Projektes ist die Erhebung, Aufbereitung und Analyse von Umweltdaten, um Diskussionen über die Verkehrswende zu versachlichen. Dabei wird die Auswirkung von neuen Radwegen mit einem besonderen Fokus auf Pop-up-Radwegen, Parkraumbewirtschaftung, quartiersbezogener Verkehrsberuhigung und Tempo 30 auf die Verkehrsmenge und -zusammensetzung sowie auf die NO2-Belastung untersucht, um fundierte Aussagen über die Auswirkung auf Luftqualität und Klima treffen zu können.

Link:

Mehr zum Projekt: https://www.duh.de/mobilitaetswende-berlin/

Pressekontakt:

Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin DUH
0170 7686923, metz@duh.de

Sara Lühmann, Leiterin der Pressestelle, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
030 90298 2843, presse@ba-fk.berlin.de

Prof. Dr. Oliver Schwedes, Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung, Technische Universität Berlin
314-78767, oliver.schwedes@tu-berlin.de

DUH-Newsroom:

030 2400867-20, presse@duh.de

Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell

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