Ethischer Anspruch und Kostendruck im Krankenhaus sind nur schwer miteinander vereinbar

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Der Klinikalltag zwischen ethischem Anspruch und
ökonomischen Bedingungen war Gegenstand der öffentlichen
Herbsttagung, zu der der Deutsche Ethikrat am 22. Oktober 2014 nach
Dresden eingeladen hatte.

Welche Auswirkungen haben die ökonomischen und strukturellen
Bedingungen im Krankenhaus auf die Patientenversorgung? Wie lassen
sich die wirtschaftlichen Vorgaben mit den ethischen Ansprüchen von
Medizin und Pflege in Einklang bringen?

Über diese und weitere Fragen diskutierte der Deutsche Ethikrat
mit Sachverständigen verschiedener Fachdisziplinen, Vertretern aus
der medizinischen und pflegerischen Praxis und über 200 Gästen am
vergangenen Mittwoch im Dresdener Hygiene-Museum.

Ziel der Veranstaltung war es, auf der Grundlage einer
differenzierten Analyse Ethik und Ökonomie zusammenzubringen, um
Lösungsperspektiven zu entwickeln, wie man unter den Bedingungen
knapper finanzieller Ressourcen eine am Patienten orientierte gute
medizinische, pflegerische und psychosoziale Versorgung sicherstellen
kann. Denn, so die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates Christiane
Woopen, „der Patient ist Zweck der Gesundheitsversorgung, nicht
Mittel zur Erlösmaximierung“.

Über die ökonomischen und strukturellen Veränderungen des
Krankenhauses seit den 1970er-Jahren berichtete Michael Simon von der
Hochschule Hannover. Irmtraut Gürkan vom Universitätsklinikum
Heidelberg analysierte die Probleme aus der Sicht des Ökonomen. In
Kurzvorträgen wurden diese Probleme und ihre Folgen aus den
Perspektiven der Ärzte, Pflegenden, Krankenhausträger und Patienten
von Arved Weimann vom Klinikum St. Georg in Leipzig und Meike
Friedrichs vom Universitätsklinikum Heidelberg, Magdalene Günther von
den AWO-Gesundheitsdiensten Hannover sowie Carola Sraier von der
Unabhängigen Patientenberatung Deutschland beleuchtet. Über die
ethischen Herausforderungen im Krankenhausalltag reflektierten
Giovanni Maio von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Nikola
Biller-Andorno von der Universität Zürich.

Die abschließende Podiumsdiskussion war Lösungskonzepten für ein
„gesundes“ Krankenhaus vorbehalten. Ratsmitglied Eckhard Nagel
diskutierte mit Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für
Gesundheit, Andrea Lemke vom Evangelischen Waldkrankenhaus
Berlin-Spandau, Klaus Lieb von der Universitätsmedizin Mainz, Georg
Marckmann von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Elisabeth
Steinhagen-Thiessen, Mitglied des Deutschen Ethikrates, sowie dem
Klinikmanager im Ruhestand Rüdiger Strehl.

Als zentrales Problem der Patientenversorgung im Krankenhaus wurde
ein vorrangig an ökonomischen Effizienzgesichtspunkten ausgerichtetes
Finanzierungssystem herausgearbeitet, bei dem das Patientenwohl und
die Qualität der Versorgung zunehmend in den Hintergrund gerate. Es
komme zu Unter- und Überversorgung. Arbeitsverdichtung,
Prozessoptimierung und Outsourcing seien als Mittel zur Hebung von
Wirtschaftlichkeitsreserven in vielen Krankenhäusern ausgeschöpft,
ohne dass damit ihre Existenz gesichert werden könne. Die
Arbeitsverdichtung und die Überformung medizinischen sowie
pflegerischen Handelns durch wirtschaftliche Faktoren werde von
vielen Krankenhausmitarbeitern internalisiert, und es werde als
persönliches Versagen empfunden, Patienten nicht mehr so versorgen zu
können, wie man es eigentlich fachlich für notwendig hält.

Es müsse ein qualitätsorientiertes, nachhaltiges
Finanzierungssystem geschaffen werden, das ärztliche Entscheidungen,
die sich am Patientenwohl orientieren, ermöglicht und nicht
ökonomisch bestraft. Auf welche Weise dabei auch psychosoziale Größen
und patientenberichtete Ergebnisse erfasst werden können, müsse noch
erörtert werden. Anreize sollten im Sinne einer Beziehungsmedizin
geschaffen und an konkrete Zielsetzungen gekoppelt werden. Ökonomie
sowie ärztliche und pflegerische Kompetenz sollten in der
Krankenhausleitung gleichberechtigt zusammenarbeiten. Einig waren
sich die Teilnehmer schließlich darin, dass eine Rückkehr in alte
Strukturen nicht möglich und auch nicht wünschenswert sei.

Auf jeden Fall aber müsse es eine Zone medizinischen Handelns
geben, die von ökonomischen Zwängen freigehalten werde, so
Ratsmitglied Thomas Heinemann zum Abschluss der Tagung. Das
Krankenhaus solle sich auf seine historischen Wurzeln als soziale
Einrichtung besinnen.

Der Deutsche Ethikrat wird beraten, auf welche Weise er das Thema
der Tagung weiterentwickelt, und wird Empfehlungen erarbeiten.

Die Beiträge der Herbsttagung können in Kürze unter
http://ots.de/YN7ZY nachgehört und nachgelesen werden.

Pressekontakt:
Ulrike Florian
Deutscher Ethikrat
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Jägerstraße 22/23
D-10117 Berlin

Tel: +49 (0)30/20370-246
Fax: +49 (0)30/20370-252
E-Mail: florian@ethikrat.org
URL: www.ethikrat.org

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