Hähnchenmast in Brandenburg – Bürgerinitiative will Bauvorhaben stoppen

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Wittstock. Die Stadt Wittstock ist mit ihren Gewerbegebieten in Autobahnnähe für logistikintensive Investoren sehr interessant. Gleich zwei unter den größten Wettbewerbern auf dem Markt für Hähnchenfleisch wollen im Wittstocker Land investieren. Die Rothkötter Gruppe aus dem emsländischen Meppen ist über ihren Geschäftsführer, Wilfried Fleming, beteiligt an einer Mastanlage mit 380.000 Mastplätzen bei Schweinrich/Groß Haßlow. Eine vorzeitige Baugenehmigung ist erteilt, obwohl Auflagen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen noch nicht erfüllt wurden. Eine wirksame Bürgerbeteiligung ist nicht erfolgt. Die Landesbehörden spielen auf Zeit. Erst nachdem der Investor die von ihm selbst eingereichten Unterlagen auf mögliche Betriebsgeheimnisse durchgesehen hat, können demnächst auch die Bürger Einsicht nehmen. Nach dem Umweltinformationsgesetz steht dies jedem Bürger zu.

Dirk Fissner von der Neuen Osnabrücker Zeitung berichtete im Oktober 2013 ausführlich über die Entwicklung in Wittstock. Auf Nachfrage bei der Rothkötter Gruppe hieß es: „Für weiteren Besprechungsbedarf besteht kein Anlass.“ Zur Zeit ruhen die Baumaßnahmen. Eine Anzeige wegen Zerstörung von Brutbiotopen ist anhängig. „Den nur 1500 m entfernt liegenden Dranser See hat das Landesumweltamt in seine Untersuchung gar nicht einbezogen,“ vermutet ein benachbarter Campingplatz-Betreiber. „Der Dranser See ist praktisch der Haussee der Wittstocker,“ ergänzt er. Für die romantischen Naturbadestellen wird eine erhebliche Geruchsbelästigung erwartet.

An der westlichen Wittstocker Stadtgrenze auf dem Gebiet der Gemeinde Heiligengrabe ist bereits eine Mastanlage mit 480.000 Hähnchenmastplätzen in Betrieb gegangen. Unter dem Dach der Plukon Food Group hat die Unternehmerin Franziska Stolle in Jabel investiert. Ein Bürgerprotest blieb 2008 ohne Erfolg.

Auf der östlichen Seite der Autobahn, nur unweit von Jabel, soll nun noch eine Anlage mit rund 450.000 Hühnermastplätzen gebaut werden. Ein bisher unbekannter Investor aus Schleswig-Holstein plant unter Federführung der Plukon Food Group. Der Standort liegt kurz vor den Toren der alten Bischofsstadt in Alt Daber. Ein ehemaliges Militärgelände soll genutzt werden. Die Untere Naturschutzbehörde warnt vor einer Schädigung der Wittstocker Heide. Waldökosysteme sind durch die Ammoniakemissionen von Hühnermastanlagen besonders bedroht. Auch der im 1000 m Radius der geplanten Anlage liegende Solarpark dürfte wenig Freude an der Feinstaub und Ammoniakbelastung auf seinen Solar-Panelen haben. Mit 168 ha Fläche ist es einer der größten Solarparks in Deutschland. Unklar ist, wie die Panele zu reinigen sind und wer für die Schäden aufkommt.

Grund genug für die Wittstocker eine Bürgerinitiative ins Leben zu rufen. Am 24.11.2013 gründete sich die Initiative „Wittstock Contra Industriehuhn“ in Groß Haßlow. Einer der Gründer der Bürgerinitiative ist Dr. Philipp Wacker. Er ist von Haus aus Chemiker und seines Zeichens Experte für Ammoniakemissionen. „Neben Ammoniak entstehen in industriellen Massentierhaltungen antibiotikaresistente Keime, Biotoxine und Bioaerosole. Diese werden über die riesigen Lüftungsanlagen der Mastställe in die Umwelt geblasen“, sagt Wacker. „Für unsere Region ist das eine absolute Katastrophe. Wir sind eine Reinluft- und Erholungsregion und bekommen nun diesen gesundheitsgefährdenden Emmissionen, bestehend aus Keimen, Staub und Ammoniak, von der immensen Geruchsbelästigung ganz zu schweigen“.

Albrecht Gautzsch aus dem Wittstocker Ortsteil Dranse ergänzt:“Wir sind als Bürgerinitiative sehr aktiv. Schon nach dem dritten Treffen hatten wir 40 Mitglieder. Bisher fanden die Gespräche mit den Investoren hinter verschlossen Türen statt. Das wollen wir ändern. Wir fordern eine proaktive Bürgerbeteiligung. Mein persönliches Anliegen ist der Schutz der Tiere. Ich kann nicht verstehen, wie man Lebewesen auf so engem Raum einpferchen kann.“

Die Bürgerinitiative „Wittstock Contra Industriehuhn“ kann bereits auf erste Erfolge verweisen. Am 18. Dezember 2013 sollte ein Baufeststellungsbeschluss für den Standort Alt Daber gefasst werden. Dieser Termin wurde auf das Frühjahr 2014 verschoben.

Eine Erhöhung der Stallkapazität auf 450.000 Mastplätze ist für Alt Daber geplant. Die Beschlussvorlage wurde kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Bürgermeister Jörg Gehrmann sicherte der Bürgerinitiative seine Unterstützung zu. Die Bürgerbeteiligung soll nun vorgezogen werden. Viele Stadtverordnete stehen mittlerweile einer Mastanlage solcher Größenordnung kritisch gegenüber und wollen auf eine erneute Beschlussvorlage verzichten. Aus Kreisen der Stadtverordneten verlautete, dass man die Größenordnung Hühnermastanlage in Alt Daber bisher falsch eingeschätzt habe.

www.industriehuhn.de (http://www.industriehuhn.de)

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