Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung: Seit zehn Jahren erleichtert die UN-Behindertenrechtskonvention die Gleichstellung

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Vor zehn Jahren, am 13. Dezember 2006, beschlossen
die Vereinten Nationen die Konvention über die Rechte von Menschen
mit Behinderung. Seitdem wurde sie von 168 Staaten ratifiziert, also
von rund drei Viertel aller Staaten weltweit. Doch auch heute noch
werden Menschen mit Behinderung mehrfach diskriminiert und ihre
Rechte regelmäßig verletzt. Zum internationalen Tag der Menschen mit
Behinderung am 3. Dezember fordert Handicap International deshalb
erneut alle Staaten auf, ihren Verpflichtungen aus der Konvention
nachzukommen und die Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft
sicherzustellen.

Große Fortschritte wurden erzielt

Die Konvention fordert, dass die volle, universelle und unteilbare
Gültigkeit der Menschenrechte für Menschen mit Behinderung anerkannt
wird. Seit ihrem Inkrafttreten verankern immer mehr Staaten die
Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in ihren Verfassungen Die
Vorstellung von Behinderung als individuelle Beeinträchtigung wird
immer mehr durch eine neue ersetzt: Nicht der Einzelne, sondern die
Gesellschaft ist für die Barrieren verantwortlich, die die Inklusion
von Menschen mit Behinderung verhindern. Die Konvention fordert die
Gesellschaften deshalb auf, Formen zu finden, die menschliche
Vielfalt sowie gleiche Rechte und Freiheit für alle ermöglichen. In
Laos und Tunesien haben Aktivitäten solcher Organisationen
beispielsweise zu einer inklusiveren Politik und einer stärkeren
Inklusion von Menschen mit Behinderung in das jeweilige politische
System geführt. Die zentrale Forderung der weltweiten
Behindertenrechtsbewegung „nichts über uns ohne uns“ muss respektiert
werden: keine Entscheidung über Menschen mit Behinderung darf ohne
Rücksprache mit ihnen getroffen werden.

Die Konvention hat außerdem die Rolle von Menschen mit Behinderung
in globalen Entwicklungsprogrammen gestärkt: Die im September 2016
verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele sind das erste globale Programm
zur Beendigung von Armut, das Menschen mit Behinderung
berücksichtigt.

Trotzdem ist noch ein langer Weg zu gehen

Noch immer werden die Rechte von Menschen mit Behinderung
regelmäßig verletzt. So haben sie häufig keinen oder erschwerten
Zugang zu Gesundheitsdiensten, Bildung, öffentlichem Transport oder
Jobs. Viele sind Opfer wiederholter Gewalt aufgrund ihrer
Behinderung, haben ein eingeschränktes Familienleben, werden
zwangssterilisiert, verstoßen, entmündigt oder gezwungen, bestimmte
Medikamente einzunehmen. Besonders schwer haben es Menschen mit
psychischen Behinderungen oder Mehrfachdiskriminierte wie Frauen mit
Behinderung. Studien zufolge werden Frauen mit Behinderung zwei- bis
dreimal häufiger Opfer körperlicher Gewalt oder sexuellen Missbrauchs
als Frauen, die keine Behinderung haben.

Ein Teufelskreis aus Armut und Behinderung sorgt dafür, dass
Menschen mit Behinderung überdurchschnittlich arm sind. 80% von ihnen
leben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Hier sind
explizite Programme zur Senkung der Armut notwendig. Auch bei
Katastrophen sind sie häufig benachteiligt. Laut einer
internationalen Studie von Handicap International von 2015 haben 75%
der von Katastrophen betroffenen Menschen mit Behinderung keinen
ausreichenden Zugang zu humanitärer Hilfe. Handicap International hat
deshalb mit mehreren Partnerorganisationen die Charta zur Inklusion
von Menschen mit Behinderung in der Humanitären Hilfe ins Leben
gerufen. Bisher hat die Charta 138 Unterzeichner.

„Durch die Ratifizierung der Konvention erkennen Staaten die
schwerwiegenden Diskriminierungen von Menschen mit Behinderung an und
garantieren die Ausübung ihrer vollen Rechte. Staaten müssen alle
notwendigen Maßnahmen hierfür ergreifen“, stellt Stefan Lorenzkowski,
Fachberater Zivilgesellschaft und Behindertenverbände bei Handicap
International, fest: „Wir als Zivilgesellschaft müssen Staaten dabei
weiter unterstützen, weil Menschen mit Behinderung immer noch mit zu
vielen Barrieren konfrontiert sind: unzugängliche öffentliche
Dienste, Ausschluss von einem Leben in der Gesellschaft, Verletzung
ihrer juristischen Rechte etc. Ihre Rechte sind keine
„Sonder“-Rechte! Alle Menschen haben dieselben Rechte. Diese müssen
ohne Ausnahme respektiert werden und das erfordert zusätzliche
Maßnahmen.“

Handicap International hat Partnerschaften mit mehr als 400
Organisationen von Menschen mit Behinderung auf lokaler, nationaler
und überregionaler Ebene gebildet. In 40 Projekten helfen wir beim
Management ihrer Aktivitäten, der politischen Kampagnenarbeit sowie
der Überwachung der Fortschritte, die in Bezug auf die Rechte von
Menschen mit Behinderung erzielt wurden.

Pressekontakt:
Herr Lorenzkowski steht gerne für ein Interview zur Verfügung. Bitte
kontaktieren Sie für einen Gesprächstermin Ruppert Grund.

Ruppert Grund
Referent Öffentlichkeitsarbeit
089/54 76 06-0
0176/96 33 83 71
rgrund@handicap-international.de
www.handicap-international.de

Original-Content von: Handicap International, übermittelt durch news aktuell

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