Kommentar von Ekkehard Rüger zur Deutschen Bischofskonferenz: Die kirchliche Sehnsucht nach Versöhnung

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Aus der Wahl des Limburger Bischofs Georg Bätzing an die
Spitze der Deutschen Bischofskonferenz lassen sich vorerst zwei Dinge ablesen:
ein eher innerkirchlicher Aspekt und einer, der über die Bischöfe und Kirche
hinaus womöglich Ausdruck eines wieder stärker um sich greifenden
gesellschaftlichen Bedürfnisses sein könnte.

Der innerkirchliche: Bätzing ist unmissverständlich und ohne Einschränkung ein
Reformer und glasklarer Verfechter des gerade erst eingeschlagenen Synodalen
Wegs. Das ist ein Statement und auch Ausdruck des Mehrheitswillens in der
Bischofskonferenz. Die deutschen Bischöfe knicken nicht ein vor dem Gegenwind
aus Rom, der schon im Sommer vergangenen Jahres und dann zuletzt in Papst
Franziskus– nachsynodalem Schreiben “Querida Amazonia” zum Ausdruck kam und
manchen Reformeifer ausgebremst hat.

Unter Bätzing wird der von Bischöfen und Laien getragene Synodale Weg, das
scheint sicher, mit unverminderter Kraft fortgesetzt. Und der 58-jährige leitet
dabei mit dem Forum Sexualmoral gleich die Aufarbeitung eines der heikelsten
Themen. Wenn die vielfach geäußerte Vermutung stimmt, sein Vorgänger Reinhard
Marx sei von den Widerständen innerhalb und außerhalb der Bischofskonferenz
gegen die Reformbemühungen zermürbt worden, dann macht Bätzings Wahl deutlich:
Die Bischöfe sind es an dieser Stelle nicht.

Zugleich haben sie aber mit dem Reformer auch einen Versöhner zum Vorsitzenden
gewählt. In seinen dreieinhalb Jahren als Bischof in Limburg hat Bätzing den
völlig ruinierten Ruf der Diözese wieder aufgebaut, behutsam und ausgleichend.
Er ist ein Brückenbauer – auch über die katholische Kirche hinaus. 2021 zählt er
zu den Gastgebern des 3. Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt, bei der
Bischofskonferenz ist er Vorsitzender der Unterkommission für den
interreligiösen Dialog.

Spaltung - mit dieser Dauerdiagnose gehen viele Analysen nicht nur in der
Kirche hausieren. Oftmals spülen diese Konflikte samt Forderung nach “klarer
Kante” und Abgrenzung gegen wen auch immer die eigenen Zuspitzer nach oben. Das
Problem dabei: Zur Entschärfung eines Konflikts tragen gerade diese nicht bei.

Bätzings Wahl dagegen steht für die kirchliche Sehnsucht nach Versöhnung –
zwischen Bewahrern und Reformern, zwischen Klerus und Laien, zwischen Männern
und Frauen. Die Ausweglosigkeit der Grabenkämpfe zu überwinden, ist aber nicht
nur ein kirchliches Bedürfnis, sondern auch ein politisches und
gesellschaftliches.  Gut möglich, dass die Bischöfe mit ihrer Wahl noch
ungeplant zum Trendsetter werden.

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