Lausitzer Rundschau: Schicksalswochen für US-Präsident Barack Obama / Der strauchelnde Riese

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Was haben wir alle über George W. Bush geschimpft
– seinen immerwährenden Krieg gegen den nicht klar bestimmbaren
Terror, seinen Einfall in den Irak, seine innenpolitischen
Bibelstunden. Was haben wir uns alle von diesem Barack Obama erhofft,
dem ersten nicht nur mit einer anderen Hautfarbe, dem ersten globalen
Hoffnungsträger. Nun haben wir vier Jahre und eine Wiederwahl hinter
uns und allmählich sind die Erwartungen an den Mann im Weißen Haus
auf immer weniger geschrumpft. Zu Hause ist er inzwischen fast schon
hoffnungslos eingepfercht zwischen einer fehlenden
Parlamentsmehrheit, einer anachronistischen Verfassungsinterpretation
und einem unüberschaubaren Schuldenberg. Und für die Weltpolitik
bleibt da allenfalls noch eine kleine Nebenbühne für gelegentliche
Auftritte ohne echte Leidenschaft. Europa, in seinen wirtschaftlichen
Turbulenzen sowieso weitgehend auf sich selbst gestellt, muss sich
wohl oder übel damit abfinden, dass die Führungsmacht des Westens auf
absehbare Zeit nicht führen wird. Zwar werden in Washington in
zahllosen Institutionen und im Stundentakt mehr oder weniger
durchdachte strategische Ansätze zur Lösung aller globalen
Problemlagen durchdacht. Die Männer und Frauen an den Schalthebeln
der Macht aber sind vor allem mit sich selbst beschäftigt. Die Ära
Obama zeichnet sich durch Abwarten, Aussitzen und Hinhalten aus. Dies
liegt sicher auch in der Person des Präsidenten begründet. Aber es
hat zu einem Gutteil auch damit zu tun, dass selbst ein
Hoffnungsträger ins Straucheln kommen muss, wenn er mit einem solchen
Mix an Problemlagen konfrontiert ist. Die USA, der Siedlerstaat, der
als erster die Demokratie versuchte, sind in vielerlei Hinsicht
überfordert als Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten. Dies
betrifft ihre globale Rolle genauso wie ihre innere Verfasstheit. Ob
und wie sie damit umgehen werden, ist derzeit noch völlig offen. Aber
die Partner des Landes sollten sich auf längere Zeiten der
Unsicherheit einstellen. Vielleicht bedurfte es vor allem für diese
Erkenntnis eines Barack Obama – eines Hoffnungsträgers, der fast
zwangsläufig enttäuschen musste.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

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