Mehr Mais auf dem Acker, weniger Erlös im Ökolandbau / Studie: Agrarökonom Mußhoff zeigt, warum Steuer auf Pflanzenschutzmittel falsche Anreize setzen und ihre Ziele verfehlen würde

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Eine deutsche Sondersteuer auf
Pflanzenschutzmittel ist nicht geeignet, die in der Landwirtschaft
verwendete Menge an Wirkstoffen deutlich zu reduzieren – sie würde
aber viele Begleiteffekte nach sich ziehen, die von den Befürwortern
einer solchen Steuer kaum gewünscht sein dürften. „Es ist absehbar,
dass in Folge einer solchen Steuer der Maisanbau in Deutschland
weiter ausgeweitet, zugleich aber die Erlöse im Ökolandbau reduziert
würden“, erläutert Professor Oliver Mußhoff.

Der Göttinger Agrarökonom, der vom Industrieverband Agrar e. V.
(IVA) mit der wissenschaftlichen Bewertung der Studie von Möckel et
al. zur „Einführung einer Abgabe auf Pflanzenschutzmittel in
Deutschland“ (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ Leipzig)
beauftragt war, stellte seine Analysen und Berechnungen gestern im
Rahmen des IVA-Handelsforums in Wiesbaden vor. Mußhoff sieht hohe
Belastungen auf die Landwirtschaft zukommen und warnt vor einer
Verschärfung des Strukturwandels, da kleinere und ertragsschwächere
Betriebe durch die Steuer zur Aufgabe gezwungen werden könnten.

Anfang dieses Jahres hatte Mußhoff schon auf eine Reihe
methodischer Fehler in dem UFZ-Gutachten hingewiesen, auf das sich
Befürworter einer Sondersteuer auf Pflanzenschutzmittel häufig
berufen. In dem jetzt vorgelegten Abschlussbericht hat er in
konkreten Modellrechnungen die Auswirkungen der vorgeschlagenen
Pflanzenschutzmittelsteuer auf den einzelnen landwirtschaftlichen
Betrieb und auf die gesamte Branche ermittelt. Mußhoff nutzte dazu
öffentlich zugängliche Daten zu Kosten, Anwendungsmengen,
Spritzfolgen und Ertragseffekten.

„Die zu erwartenden Belastungen des landwirtschaftlichen Sektors
wären sehr viel höher als von den Leipziger Kollegen geschätzt“, so
Mußhoff. Entgegen dem UFZ-Gutachten, das von einem jährlichen
Aufkommen von 1 Milliarde Euro durch die Pflanzenschutzmittelsteuer
ausgeht, kommt Mußhoff auf eine Steuerlast in dieser Höhe allein
schon für den landwirtschaftlichen Sektor. Die berechneten sektoralen
Einkommensverluste gehen jedoch über die Steuerlast hinaus und
belaufen sich auf 1,8 Milliarden Euro. Sollte durch die Steuer der
Anteil der Ökobetriebe auf 20 Prozent steigen, betragen die
sektoralen Einkommensverluste nach seiner Berechnung sogar 2,2
Milliarden Euro.

Auch bei den erwarteten einzelbetrieblichen Gewinnrückgängen hält
er die Annahmen der Leipziger Forschergruppe um Möckel für
unrealistisch. Während diese von einzelbetrieblichen Belastungen
zwischen 21 und 45 Prozent ausgehen, errechnete Mußhoff, selbst bei
konservativen Annahmen, unter günstigen Standortbedingungen
Rentabilitätsrückgänge von 36 Prozent. Auf ertragsschwachen
Standorten kann die Rentabilität sogar negativ werden, was bedeutet,
dass schwächere Betriebe die zusätzlichen Belastungen aus einer
Pflanzenschutzmittelsteuer nicht schultern und zur Aufgabe gezwungen
sein könnten.

Unerwartet würde der Biolandbau ebenfalls zum Leidtragenden einer
Steuer auf Pflanzenschutzmittel nach dem UFZ-Modell werden. Denn
sollten mehr Betriebe als beabsichtigt die Steuer zum Anlass für die
Umstellung auf ökologischen Anbau nehmen, hätte dies einen doppelten
Effekt: die Preise für ökologisch erzeugte Produkte würden durch das
steigende Angebot zum einen sinken, der vorgesehene Etat für
Öko-Prämien müsste zum anderen auf mehr Empfänger verteilt werden.

Mußhoff hat in seinen Berechnungen zudem die unterschiedlichen
Wirkungen auf die jeweiligen Ackerkulturen ermittelt. Während die
Rentabilität von Kulturen wie Speisekartoffeln, Winterraps oder
Winterweizen unter Druck geriete, wären Silomais und Körnermais
begünstigt, da ihr Anbau weniger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
erfordert. „Klagen über die Vermaisung der Landschaft dürften dann
noch zunehmen. Dabei dürfte die Ausweitung der Anbaufläche für Mais
kaum im Sinne der Befürworter einer Steuer auf Pflanzenschutzmittel
sein“, sagte Mußhoff.

Die Studie steht kostenlos zum Download auf den Internet-Seiten
der HFFA Research GmbH (http://ots.de/zlpzo) und des IVA
(http://ots.de/IQM4Z) zur Verfügung.

Der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) vertritt die Interessen der
agrochemischen Industrie in Deutschland. Zu den Geschäftsfeldern der
54 Mitgliedsunternehmen gehören Pflanzenschutz, Pflanzenernährung,
Biostimulantien und Schädlingsbekämpfung. Die vom IVA vertretene
Branche steht für innovative Produkte für eine moderne und
nachhaltige Landwirtschaft.

Pressekontakt:
Industrieverband Agrar e. V., Pressestelle
Tel. +49 69 2556-1249
Fax +49 69 2556-1298
E-Mail: may.iva@vci.de
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Original-Content von: Industrieverband Agrar e.V., übermittelt durch news aktuell

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