Menschenrechtsorganisation Amnesty International erhält Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma 2016

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Am 13. April 2016 vergeben das Dokumentations- und Kulturzentrum und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sowie die Manfred Lautenschläger Stiftung den Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma an die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Der mit 15 000 Euro dotierte Preis wird zum fünften Mal verliehen, in diesem Jahr erstmalig im Europäischen Parlament ins Straßburg. Den mit 5 000 Euro dotierten Sonderpreis erhält die ungarische Filmemacherin Eszter Hajdú. Die Laudatio auf Amnesty International hält der Generalsekretär des Europarats Thorbjörn Jagland. Grußworte kommen von Ulrike Lunacek, der Vizepräsidentin des Europaparlamentes.
Bis heute leiden Sinti und Roma in Europa unter massiver Stigmatisierung und Ausgrenzung. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International setzt sich seit vielen Jahren dagegen ein und mobilisiert gegen die Diskriminierung der Minderheit in allen Lebensbereichen, insbesondere der Schulbildung und im Bereich des Wohnens.
Mit der Kampagne Human Rights Here ? Roma Rights Now wandte sich Amnesty International im April 2013 direkt an die Europäische Union, um die EU-Institutionen und ihre Mitgliedsstaaten daran zu erinnern, dass die bereits existierenden Rechtsvorschriften gegen Diskriminierung, wie die ?Antirassismus-Richtlinie” und die Charta der Grundrechte der EU ernst genommen und auch im Falle der Diskriminierung von Roma umgesetzt werden müssen.
Obwohl die EU-Staaten verpflichtet sind, das Verbot der Diskriminierung umzusetzen, wird es weiterhin in großen Teilen Europas missachtet. 2014 hielt die Organisation in ihrem Bericht We ask for justice ? Europe?s failure to protect Roma from racist violence der Europäischen Union erneut ihr Versagen beim Schutz der Roma vor rassistischer Gewalt vor.
Um diesen Einsatz zu würdigen, aber auch als Ansporn im Kampf für die Rechte der Roma nicht nachzulassen, hat die Jury entschieden, Amnesty International in diesem Jahr den Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma zu verleihen.
Sonderpreis für Eszter Hajdú
Die ungarische Filmemacherin Eszter Hajdú dokumentiert in ihrem 2013 erschienenen Film ?Judgement in Hungary” den zweieinhalbjährigen Prozess gegen die rechtsextremistischen Täter, die 2008 und 2009 sechs Dörfer in Ungarn überfielen und dabei sechs Roma, darunter ein fünfjähriges Kind, ermordeten.
Hajdú hat exklusiv den Prozess gegen die drei Hauptangeklagten und ihren Komplizen beobachtet ? bisher ist noch kein Prozess gegen Neonazis lückenlos im Gerichtssaal filmisch dokumentiert worden. Im Zuge der Anhörungen kamen krasse Ermittlungsfehler ans Licht und es stellt sich die Frage, ob es sich um bloßen Pfusch oder um gezielte Manipulation handelt. Nach fast 170 Verhandlungstagen wurden die Hauptangeklagten zu lebenslänglichen Freiheitsstrafen verurteilt. Doch die ungarische Roma-Bevölkerung lebt weiterhin in Angst, auch weil mindestens ein Täter, der an den Morden beteiligt war, noch auf freiem Fuß ist.
Die Jury würdigte diese hochintensive Dokumentation, die viel über die weitverbreiteten Ressentiments gegenüber Roma und Juden in Ungarn erzählt, und entschied sich, Eszter Hajdú für ihr Engagement mit einem Sonderpreis auszuzeichnen.
Der Europäische Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma wurde in 2007 ins Leben gerufen und wurde in 2008 erstmalig verliehen. Vor dem Hintergrund der äußerst besorgniserregenden Menschenrechts-situation der Sinti und Roma in vielen europäischen Staaten soll dieser Preis ein Beitrag zur Wahrung und Durchsetzung der Bürgerrechte der Angehörigen der Sinti- und Roma-Minderheiten in ihren jeweiligen Heimatländern sein. Zugleich versteht sich der Preis als ein Signal an die Gesellschaft und Öffentlichkeit in Europa, gegen tief verwurzelte Klischees und Vorurteilsstrukturen vorzugehen, um die alltägliche Ausgrenzung der Minderheit schrittweise zu überwinden. Bisherige Preisträger waren der ehemalige polnische Außenminister W?adys?aw Bartoszewski, die französische Publizistin und ehemalige Ministerin Simone Veil, der Menschenrechtskommissar des Europarates Thomas Hammarberg und der Präsident der Gesellschaft für bedrohte Völker Tilman Zülch.
Wichtige Informationen zur Akkreditierung:
Wir freuen uns, wenn Sie vor Ort über die Veranstaltung berichten. Falls Sie nicht direkt beim Europäischen Parlament als Journalist_in akkreditiert sind, bitten wir Sie, sich in dem Fall aus organisatorischen und sicherheitstechnischen Gründen bis zum Montag, den 11. April 2016 bei Frau Kerstin Müller (kerstin.mueller@sintiundroma.de) unter Angabe Ihres Namens und des Namens des Mediums für das Sie berichten, anzumelden. Wichtig: Bitte geben Sie auch unbedingt Ihre Pass- oder Personalausweisnummer und die Art des Dokuments an und führen Sie das Dokument neben Ihrem Presseausweis bei der Verleihung am 13. April 2016 bitte mit sich.
Die Veranstaltung findet im –Salle Robert Schumann– (WIC 200) im Winston Churchill Gebäude des Europäischen Parlaments (Avenue du Président Robert Schuman, 67070 Straßburg) statt. Informationen, wie Sie zum Winston Churchill Gebäude des Europäischen Parlaments gelangen, finden Sie hier:
http://de.strasbourg-europe.eu/gebaude-winston-churchill,41334,de.html
www.buergerrechtspreis.de
www.civilrightsprize.com

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