Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zu „Trump“ von Thomas Spang

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Nüchtern betrachtet spielt es eine
nachgeordnete Rolle, wer die Quelle der auf dem Nachrichtenkanal
MSNBC enthüllten Dokumente ist. Ob es der Präsident selber war, ein
Geschäftspartner oder ein Mitarbeiter der Steuerbehörde IRS – in
jedem Fall lenken die beiden Seiten aus der Steuererklärung Trumps
den Blick zurück auf die Achillesferse seiner Präsidentschaft. Dabei
geht es weniger um die Frage, wieviel Steuern der Milliardär gezahlt
oder welche Vermögen Trump angehäuft hat. Niemand dürfte davon
überrascht sein, dass die Superreichen in den USA verschwindend
geringe Steuern bezahlen. So sieht es das System vor, das mit
Steuerschlupflöchern, Sonderabschreibungen und niedrigen Abgaben auf
Kapitalerträge eine Zweiklassen-Steuergesellschaft geschaffen hat.
Dass Trump die Gesetze zu seinen Gunsten nutzt, ist sein gutes Recht.
Genauso wenig schockte die Öffentlichkeit, wenn herauskäme, das der
Mann, der keinen Superlativ auslässt, ein gnadenloser Hochstapler
ist. Jenseits seiner Anhänger glaubt kaum jemand, dass Trump zehn
Milliarden Dollar an Vermögen angehäuft hat. Einen kleinen Hinweis
darauf liefern die enthüllten Deckblätter aus dem Jahr 2005. Ein zu
versteuernder Profit von gerade einmal 150 Millionen Dollar deutet
nicht auf solche Summen hin. Viel wichtiger als diese Petitessen
bleibt die Frage, ob der US-Präsident von einer fremden Macht oder
mächtigen Einzelpersonen abhängig ist. Das heißt in Trumps Fall
konkret: Wie viel Geld schuldet er der Volksrepublik China,
russischen Oligarchen und Putin-Freunden oder der Deutschen Bank? Der
Verdacht drängt sich auf, dass Trump aus genau diesem Grund der erste
Präsident seit Gerald Ford ist, der seine Steuererklärungen vor den
Amerikanern versteckt. Diese könnten zum Beispiel Auskunft darüber
geben, warum der russische Milliardär Dmitry Rybolovlev 2008 Trump
für eine Villa in Palm Beach ungesehen 50 Millionen Dollar mehr
zahlte als das Objekt tatsächlich wert war. Ausgerechnet in einem
Jahr, in dem der finanziell angeschlagene Baulöwe eine Zinszahlung
für seine „Trump Entertainment Resorts“ in Höhe von 53,1 Millionen
Dollar nicht leisten konnte. Derselbe Rybolovlev besaß 2013 den
größten Anteil an der „Bank of Cyprus“, die sich dem Vorwurf
ausgesetzt sah, eine Drehscheibe russischer Geldwäsche zu sein. War
es bloß ein Zufall, dass Trumps langjähriger Freund, sein Nachbar in
Palm Beach und heutiger Handelsminister Wilbur Ross ein Jahr später
in die Bank einstieg, den Russen die Anteile abkaufte und den
früheren Chef von Trumps Hausbank, Jens Ackermann von der Deutschen
Bank, an die Spitze berief? Querverbindungen bestehen offenbar auch
zwischen Rybolovlev und dem Milliardär Robert Mercer, der Trumps
spendabelster US-Geldgeber im Wahlkampf sowie Förderer der
Agitprop-Seite Breitbart war. Die Yachten Mercers und Rybolovlevs
ankerten kürzlich über Tage auf Sichtweite in einem Hafen der
britischen Jungferninsel Virgin Gorda. Die US-Medien fragen auch, was
es damit auf sich hat, dass die privaten Jets Trumps und des
russischen Oligarchen Ende Oktober in Las Vegas, Anfang November in
Charlotte und zuletzt im Februar in Miami auf demselben Flughafen
unweit voneinander parkten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Das
Auftauchen der Deckblätter der Steuererklärung aus dem Jahr 2005 ruft
die vielen unbeantworteten Fragen in Erinnerung. Der Präsident muss
mit der Veröffentlichung seiner Steuern wie seine Vorgänger für volle
Transparenz sorgen. Wenn Trump erpressbar ist, steht die nationale
Sicherheit auf dem Spiel.

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