Mittelbayerische Zeitung: Um Köpfe und Profile. Beim Kandidatenrennen um den CDU-Vorsitz geht es auch um die künftige Ausrichtung der Partei sowie darum, wer künftig Kanzler sein könnte. Von Reinhard Zweigler

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Es tut sich Unerwartetes in der CDU. In vier
Jahrzehnten unter Helmut Kohl und Angela Merkel waren die
Christdemokraten zu einem gefügigen Kanzler-Wahlverein kleingemacht
worden. Unter dem Druck der politischen Veränderungen, krachender
Wahlverluste, einer unzufriedenen Basis hat der Wind der
Veränderungen nun auch die Partei Konrad Adenauers erfasst. Die
Langzeit-Vorsitzende Angela Merkel hat das erkannt und mit ihrer
Rückzugsankündigung den Weg frei gemacht für einen in der CDU kaum
für möglich gehaltenen Wettbewerb um den Vorsitz. Jahrzehntelang war
dieser Posten, verbunden mit der Aussicht auf das Kanzleramt, in
Hinterzimmern ausgekungelt und dann dem staunenden Parteivolk
präsentiert worden. CDU-interne Palastrevolutionen, wie sie Angela
Merkel im Zuge der Spendenaffäre an die Spitze katapultierten, waren
die Ausnahme. Gegen die erstaunlich auswahlfreudige CDU mit ihrer
flotten Kandidatenkür quer durchs CDU-Land sieht die CSU indes
ziemlich alt aus. Bei den Christsozialen folgt am 19. Januar auf dem
CSU-Parteitag dem ergrauten politischen Alphatier Horst Seehofer der
neue starke Mann Markus Söder nach. Mit einer wirklichen Auswahl
zwischen Personen und Konzepten, vielleicht sogar noch einer Frau an
der Spitze, hat es die CSU nicht so. Der Wind der Veränderung ist
hier, trotz der Wahlklatsche vom 14. Oktober, doch nur ein laues
Lüftchen. In der CDU freilich wirkte der Amtsverzicht Merkels vor
knapp vier Wochen fast wie eine Befreiung, wie das Durchlüften eines
Zimmers, in dem lange geraucht worden war. Die Kanzlerin und
Parteichefin aus dem Osten Deutschlands wurde so lange beklatscht und
hofiert, wie sie Wahlerfolge einfuhr. Aber ihre Anhängerschar ist,
nicht erst seit der Flüchtlingskrise, kleiner geworden. Die einstige
Volkspartei CDU wurde bei den letzten Wahlen empfindlich abgestraft,
so dass über kurz oder lang sogar der Verlust der Macht im Bund
drohte. Die neue politische Situation setzte nun jedoch ungeahnte
Kräfte frei. In der CDU wird diskutiert, gefragt, gestritten, gewogen
und gewertet. Es werden Sympathiepunkte für die einen sowie
Misstrauensvoten für den anderen oder die andere vergeben. So wie im
normalen Leben auch. Mit der Noch-Generalsekretärin Annegret
Kramp-Karrenbauer, dem politischen Wiedereinsteiger Friedrich Merz
und Gesundheitsminister Jens Spahn stehen drei veritable Kandidaten
um den Parteivorsitz zur Auswahl. Jeder von ihnen hat seine Stärken
und Schwächen. Doch es geht dabei nicht nur um Personen, sondern auch
um das künftige politische Profil und die Ausrichtung der Partei, die
schon sehr lange in Deutschland regiert hat und auch weiter regieren
will. Wenn man die Bewerber in ein Raster pressen würde, wäre
Kramp-Karrenbauer eher diejenige, die Merkels Kurs der Mitte, man
könnte auch sagen der Sozialdemokratisierung, mit den geringsten
Korrekturen fortsetzen würde. Das ist ein Vorzug, aber zugleich auch
eine Schwäche der Saarländerin. Aber mit AKK weiß man, was man hat.
Für Überraschungen stünden dagegen eher Merz und Spahn. Dem
Einkommens-Millionär aus dem Sauerland sollte man bei seinem
Wiedereinstieg in die Politik allerdings nicht vorwerfen, dass er in
der privaten Wirtschaft Erfolg hatte. Der begnadete Redner Merz
agiert derzeit allerdings noch wie schaumgebremst auf der
Polit-Bühne. Dass er etwas von Wirtschaft und Steuern versteht,
sprechen ihm nicht einmal seine Kritiker ab. Doch welche
sozialpolitischen Weichen ein CDU-Chef Merz stellen würde, ist
weithin unklar. Dasselbe trifft auf Jens Spahn zu, den ehrgeizigsten
und jüngsten im Bewerbertrio. Der Münsterländer dürfte allerdings nur
geringe Chancen haben, Merkel nachzufolgen. Die CDU und das Land
erleben so oder so spannende Wochen.

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