Mitteldeutsche Zeitung: Erdrutsch von Nachterstedt Gutachter-Streit verzögert Sanierung und Freigabe

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Vier Jahre nach dem Erdrutsch mit drei Toten am
Concordiasee bei Nachterstedt (Salzlandkreis) drohen sich die
Sanierung und damit eine Freigabe des Sees auf Jahre zu verzögern.
Grund sind widersprüchliche Gutachten zur Unglücksursache, die
demnächst veröffentlicht werden sollen. Das berichtet die in Halle
erscheinende Mitteldeutsche Zeitung (Sonnabend-Ausgabe).Im Kern geht
es um die Frage, warum ein Stützdamm und die bebaute Kippe
abrutschten. Nach MZ-Informationen hält der Bergbausanierer LMBV an
seiner kurz nach dem Unglück am 18. Juli 2009 aufgestellten These
fest, dass ein „seismisches Ereignis“ die Tragödie auslöste. Zwar
erkennt die LMBV an, dass auf dem Stützdamm und der dahinter
liegenden Kippe ein hoher Wasserdruck lastete. Dies habe allein aber
nicht zum Unglück führen können. Vielmehr habe es dazu eines
auslösenden Moments bedurft. Die These ist umstritten, jedoch hat
die LMBV sie noch einmal mit einem Gutachten untermauern lassen.
Demnach soll ein eingestürzter Hohlraum die Katastrophe ausgelöst
haben. Der Gutachter des Landesamts für Geologie und Bergbau,
Michael Clostermann, und die Fachleute in der dem
Wirtschaftsministerium unterstellten Behörde halten dies für abwegig.
Clostermann hatte bereits gut ein Jahr nach dem Unglück vermutet, die
Kippe sei nicht stabil. Eine Hypothese, die Bergbauexperten, die die
Kippe zu DDR-Zeiten untersucht hatten, bestätigten. Danach war sie
nur sicher, solange sie nicht mit Wasser in Berührung kam. Das
passierte aber, als der See geflutet wurde. Die widerstreitenden
Gutachteraussagen dürften Folgen nicht nur für die Sanierung und
Freigabe des Concordiasees, sondern auch weiterer gefluteter Tagebaue
haben. Denn Sande, wie sie in Nachterstedt für Uferböschungen und
Kippen verwendet wurden, gibt es auch in weiteren Tagebauen. „Wenn
festgestellt würde, dass die Kenntnisse über die gekippten Böschungen
unzureichend waren, muss man sich fragen, welche Kenntnisse haben wir
von anderen Kippen“, sagte ein Experte des Landesamts, der ungenannt
bleiben will. Dies hätte Folgen für „acht bis neun Restlöcher“ –
darunter auch der Geiseltalsee im Saalekreis, bei dem mehr als die
Hälfte der Böschungen – insgesamt 26 Kilometer – künstlich
aufgeschüttet wurde.

Pressekontakt:
Mitteldeutsche Zeitung
Hartmut Augustin
Telefon: 0345 565 4200

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