NABU: Plastikflut in Deutschland wird bis 2030 erheblich anwachsen – Nur durch massive Eingriffe kann Trend zu immer mehr Plastik gestoppt werden

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In den vergangenen 60 Jahren ist die weltweite
Herstellung von Kunststoffen um das 169-fache auf 288 Millionen
Tonnen pro Jahr angestiegen. Der Trend zu immer mehr Plastik wird
sich in den kommenden Jahren auch in Deutschland fortsetzen. Damit
steigen nicht nur der Verbrauch von Erdöl und die damit verbundene
Freisetzung von Klimagasen, sondern es ist auch mit einem höheren
Eintrag von Kunststoffen in die Natur zu rechnen. Hier sind
alarmierende Schäden an den Ökosystemen zu erwarten. Bereits 2015
werden nach aktuellen Expertenschätzungen wohl 9,1 Millionen Tonnen
Plastikmüll pro Jahr weltweit in die Meere gelangen, welche die Mägen
von Vögeln und Säugern verstopfen und die als schadstoffhaltiges
Mikroplastik auch den Weg in unsere Nahrungskette finden können.

Dass dieser Trend gestoppt werden kann, zeigt eine jetzt
vorgelegte Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie
im Auftrag des NABU. Die Autoren zeigen, dass durch ein engagiertes
Vorgehen von Politik, Wirtschaft und Verbrauchern unser täglicher
Hunger nach Plastik stark gesenkt werden könnte. So müssten
Produktionsprozesse verbessert und mehr recyceltes Plastik genutzt
werden, und gerade im Bereich der Verpackungen oder der Elektrogeräte
kann durch neue Konsummodelle von Handel und Verbrauchern wie
beispielsweise dem unverpackten Einkaufen und „Nutzen statt Besitzen“
– und so genannten ReUse-Modellen der Einsatz von Kunststoffen
reduziert werden. In der Studie wird aber auch deutlich, dass eine
reale Reduktion der Kunststoffeinsatzmengen nur durch massive
Eingriffe vom Gesetzgeber erreichbar wäre. Durch ein ambitioniertes
Handeln aller gesellschaftlichen und staatlichen Akteure wäre ein
Szenario vorstellbar, in dem wir in 2030 80 Prozent weniger
Kunststoffe einsetzen als für dieses Jahr prognostiziert.

„Die Studie zeigt, dass niedrige Preise für Erdöl und immer mehr
Anwendungsgebiete die Nachfrage nach Kunststoffen steigern werden, so
dass der Markt aus rein ökonomischen Gründen nicht auf Plastik
verzichten wird“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Hier
muss der Staat seine Verantwortung wahrnehmen und gegensteuern, indem
er den Ressourcenverbrauch besteuert und Vorgaben zum Ökodesign von
Kunststoffprodukten macht, aber auch, indem er selbst durch eine
kunststoffarme öffentliche Beschaffung zur Verringerung beiträgt und
Branchenprozesse für Vermeidungslösungen anstößt.“

Zwar stellen Kunststoffe in einigen Fällen die bessere Alternative
zu ressourcenintensiven Materialien wie Beton oder Metallen dar.
Allerdings muss die für die Anwendung passende Kunststoffsorte
gewählt und auch im Vorhinein geklärt werden, ob die Anwendung für
den gewünschten Nutzen überhaupt notwendig ist. Deswegen stellt die
Studie zahlreiche Beispiele aus der Wirtschaft und im
Konsumentenbereich vor, bei denen auf den Kunststoffeinsatz komplett
verzichtet oder dieser wesentlich reduziert werden kann. Die Nutzung
von Mehrwegtragetaschen oder das Anbieten von Produkten ohne
Verpackungen sind hier einfache, aber sehr wirkungsvolle Beispiele.
Für die allermeisten der in der Studie dargestellten Optionen zur
Kunststoffvermeidung im Bereich von Produktion und Handel sind
allerdings staatliche Vorgaben notwendig.

„Deutschland wird auch in den nächsten fünfzehn Jahren nicht
plastikfrei werden. Aber es ist zumindest möglich, die Plastikflut
einzudämmen. Der Weg zu weniger Kunststoffverbrauch führt über
gesetzliche Regelungen, die Ressourcenverschwendung über
Sonderabgaben unrentabel machen, ein Umdenken in der Wirtschaft zu
nachhaltigen Produktionen sowie über den Druck der Verbraucher, die
über bewusste Kaufentscheidungen den Handel zu weniger Einsatz von
Kunststoffverpackungen bewegen,“ so NABU-Leiter Ressourcenpolitik Dr.
Benjamin Bongardt. Wer in Deutschland kunststoffsparend,
ressourceneffizient und nachhaltig arbeiten möchte, dürfe sich einer
Politik nicht verschließen, die auf ordnungsrechtliche Regelungen,
ökonomische Instrumente sowie auf Information und Effizienzförderung
setzt.

Studie und Hintergrund unter www.NABU.de/plastikfrei

www.NABU.de/presse

Pressekontakt:
Dr. Benjamin Bongardt, NABU-Leiter Ressourcenpolitik, Tel. +49
(0)30.284984-1610, Mobil +49 (0)172.9235479, E-Mail:
Benjamin.Bongardt@NABU.de

NABU-Pressestelle
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