neues deutschland: Kommentar zur Verharmlosung der AfD¶

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Neulich hatte die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« 70.
Geburtstag. Zur Party erschien auch Alexander Gauland. Jeder feiert so, wie es
ihm am besten gefällt; bei der »FAZ« kommt ohne den Vogelschiss-Experten von der
AfD offenbar keine Stimmung auf. Die Episode steht für die nicht mehr nur
schleichende Verharmlosung einer Partei, die das Faschistische zu einem
immanenten Bestandteil erklärt. Björn Höcke, der Thüringer Frontmann der AfD,
darf per Gerichtsurteil als Faschist bezeichnet werden; eben diesen Höcke
verortete Gauland gerade erst »in der Mitte der Partei«. Höcke ist einer der
Einflussreichsten in der AfD, der Scharfmacher vom Dienst. In Thüringen ist er
unangefochtener Landessprecher und Fraktionschef. Trotzdem kann sich der
Thüringer CDU-Fraktionsvize Michael Heym eine Regierung mit dieser AfD gut
vorstellen. Höcke ist zwar unappetitlich, findet er, aber der ganze Rest ist
akzeptabel. Der ganze Rest, der jemanden wie Höcke seit Jahr und Tag stützt und
hochjubelt. Und die AfD hat viele kleine Höckes. Stephan Brandner, ein
regelmäßig Verhaltensauffälliger aus Gaulands Bundestagsfraktion, kommentierte
eine AfD-kritische Äußerung des Rockmusikers Udo Lindenberg mit der Bemerkung,
dessen Bundesverdienstkreuz sei ein »Judaslohn«. Hass und Antisemitismus in
Reinkultur. So etwas kommentiert sich eigentlich von selbst. Und es
disqualifiziert sich. Auch wenn sich das noch nicht überall herumgesprochen hat.
Zum Beispiel beim Partystab der »FAZ«. Und auch nicht bei allen CDU-Leuten.

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