neues deutschland: Sebastian Bähr über die Unterschiede beim Erinnern an die NSU-Morde

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Das Wochenende war ein Lehrstück über würdiges und unwürdiges
Gedenken. Für das unwürdige zeigten sich die deutschen Behörden verantwortlich:
In Zwickau sollte am Sonntag ein Gedenkort für die Opfer des NSU eingeweiht
werden, zehn Bäume und Namenstafeln an die Ermordeten erinnern. Was geschah: Die
Angehörigen wurden weder eingeladen noch informiert, die Namen auf den Tafeln
waren teilweise falsch geschrieben. Die AfD verhöhnte die Opfer, indem sie einen
Kranz niederlegen durfte. Die Polizei wiederum setzte die Person fest, die den
Kranz entfernte. Das Tribunal »NSU-Komplex auflösen« nannte die Veranstaltung
ein »Desaster« und hat damit recht. Es wirkt, als ob der deutsche Staat ein
Pflichtprogramm für die Öffentlichkeit absolviert, aber den Inhalt des Gedenkens
weder versteht noch ernst nimmt. Umso bedeutender ist es, dass das Tribunal am
Wochenende ein Gedenken der Zivilgesellschaft organisierte. In Chemnitz und
Zwickau hielten Aktivisten und migrantische Initiativen der deutschen
Mehrheitsgesellschaft einen Spiegel vor. Sie knüpften Netzwerke der Solidarität,
klagten an und gaben den Opferangehörigen eine Stimme. Eine wichtige symbolische
Intervention. Um die kritische Debatte zu verstetigen, braucht es nun auch vor
Ort eine institutionalisierte Form der NSU-Aufarbeitung.

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