Pofalla, ADAC und Obermann: Werte-Versagen in Politik und Wirtschaft

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Angesichts immer neuer Negativschlagzeilen rät der Business Coach und frühere E.ON-Verwaltungschef Wulf-Hinnerk Vauk dem ADAC-Präsidium geschlossen zurückzutreten. „Wenn sich der Oberste bedient, bedienen sich alle anderen darunter auch“, sagte Vauk heute in Düsseldorf. Die bisher bekannten Aktionen wie Dienstflüge und Heimreisen des Präsidenten oder das Trocknen eines Fußballplatzes mit einem Rettungshubschrauber sprechen dafür, dass bei Beteiligten in der Führungsebene des ADAC „kein Gespür für Werte vorhanden ist“.

Vauk diagnostizierte ein „grundsätzliches Werte-Versagen und menschliches Fehlverhalten bei vielen Führungskräften in Politik und Wirtschaft“. Auch dem früheren Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und der Führung der Bahn AG bescheinigte Vauk ein Versagen im Umgang mit Werten und Informationen. „Es ist okay, wenn mir jemand es wert ist in meinem Unternehmen zu arbeiten“, so Vauk. Man müsse aber fragen, ob das für alle anderen gleichermaßen werthaltig sei.

In der Causa Pofalla seien sowohl Zeitpunkt als auch Kommunikation falsch gewählt worden. Wenn der frühere Minister zudem neben einem Vorstandsposten auch sein gut bezahltes Bundestagsmandat behalten wolle, „heißt das doch: Entweder tun Politiker nichts im Bundestag, oder die Vorstände der Bahn tun nichts, wenn sie noch Zeit haben nebenher Politik zu machen“. Dies sei auch angesichts von Millionengehältern nicht zu vermitteln.

Gleiches gelte für den früheren Telekom-Chef Rene Obermann, der Medienberichten zufolge mindestens vier Millionen Euro an Abfindung und Gehaltsfortzahlung erhalten soll, wenn sein jetziges Unternehmen Ziggo den Besitzer wechselt. „Millionen dafür, dass er dort nichts mehr macht“, sagte Vauk mit Blick auf das Missverhältnis von Arbeit und Honorar. „Wie kann ich denn einer Gesellschaft Werte vermitteln, wenn an der Spitze der Gesellschaft Menschen ohne jedes Werte-Verständnis und ohne Sinn für Timing und Intuition stehen?“

Viele Führungskräfte handelten offenbar nach dem Motto „Das ist meins, das gehört mir.“ Doch ein Unternehmen, das durch Anleger, Investoren oder öffentliche Gelder finanziert werde, gehöre eben nicht einer Person. „Auch der Staat und die Bahn AG in Staatshänden können nicht einfach Millionenposten vergeben, die von Kunden, Staatszuschüssen und Investoren finanziert werden“, machte Vauk deutlich.

Vauk resümierte: „Es wird Zeit, dass wir in Führungspositionen wieder Vorbilder haben, Menschen mit Werten und Charakter.“ Auch eine „Revolution gegen die herrschende Elite“ schloss Vauk nicht aus. „Wenn sich weiterhin Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und Verbänden derart bereichern oder Dinge für sich in Anspruch nehmen, die die Gesellschaft finanziert, wird die Gesellschaft dagegen irgendwann Sturm laufen.“ Gefährlich werde es, wenn sich der Protest aufstaut und wie derzeit in der Ukraine schlagartig ausbreche.

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